Den höchsten Rang unter den Reliquien nimmt das Holz des Kreuzes Jesu ein. Die Basilika Santa Croce di Gerusalemme in Rom gehört zu den sieben Hauptkirchen Roms. Die Besucher und Besucherinnen müssen die heiligen Reliquien fast suchen: die Kreuzesinschrift, den Kreuzesbalken und die Nägel, mit denen die Handgelenke Jesu durchbohrt worden waren.

Ähnlich wie beim Turiner Grabtuch streitet sich die Wissenschaft um die Echtheit dieser Reliquien. Natürlich kann mittels solcher Gegenstände der Glaube an Jesus und an seine Auferstehung nicht bewiesen werden, denn der Glaube ist ja gerade die Kraft des Vertrauens, das ich jemandem schenke, und nicht etwa das Gegenteil von Wissenschaft.

Die heilige Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, reiste im vierten Jahrhundert nach Jerusalem, um die Orte, wo Jesus gewirkt hatte, aufzusuchen. Das Jerusalem, das Jesu kannte, stand schon lange nicht mehr. Schon 135 nach Christus hatten die Römer die Stadt zerstört und auf ihren Ruinen eine neue Stadt «Aelia Capitolina» errichtet. Helena gelang es aber, Golgota ausfindig zu machen. Bei Grabungen stiess man auf eine Zisterne, in der drei Kreuze und die Kreuzesinschrift gefunden wurden. Helena liess einen Teil davon in Jerusalem, einen grösseren Teil nahm sie mit nach Rom.

Das Fest der Kreuzerhöhung und die Einweihung der Grabeskirche erinnern an diese Begebenheiten. Das aufgerichtete Kreuz ruft uns die Erlösungstat Christi ins Gedächtnis: «Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen.» Die Sprache und die Zeichen des Glaubens haben eine eigene Wahrheit und übertreffen die Sprache und die Bilder einer scheinbar rein rationalen, sachlichen Darstellung. Jesu Leben, Leiden und Sterben hat eine Geografie, eine konkrete Zeit, einen konkreten Ort.

Diesem Zeichen sollten wir vermehrt unsere Aufmerksamkeit schenken. Denn durch die multikulturelle und multireligiöse Gesellschaft wird es bei uns an den Rand gedrängt oder sogar in der Öffentlichkeit verboten.

Aber nehmen wir nur einmal eine kurze Etappe des Jakobsweges irgendwo durch unser Land und wir werden auch heute noch eine ungeahnte Fülle von kleineren und grösseren Zeugen gelebten Glaubens entdecken. Die vielen gepflegten Wegkreuze und Bildstöcke gehören dazu.

Als Kind hat mir ein solches Wegkreuz mächtigen Eindruck gemacht. Unser Vater erzählte uns auf jedem Sonntagsspaziergang, der an diesem Kreuz vorbeiführte, dass hier in früherer Zeit einmal der Galgen gestanden haben soll und dass sich dieses Kreuz an jedem Karfreitag, wenn die Kirchglocken zusammenläuten, einmal um sich selbst drehen würde. Wir wollten es zwar nicht recht glauben, aber unheimlich war es schon. Wie war ich erleichtert, als ich dem Vater auf die Schliche kam: Am Karfreitag schweigen die Glocken!

In vielen Pfarreien werden diese Wegkreuze gepflegt. Sie wollen oft an etwas erinnern: Motive wie Mord oder Totschlag, Unglücksfälle, Krankheit, Richtstätten, Notzeiten, Kriegszeiten stehen am Anfang. Auf alle Fälle sind sie alle Schutz- und Mahnzeichen: Dein Leben ist gesegnet, Du bist in Gottes Hand und durch Jesu Leiden und Sterben hast Du Anteil an der Vollendung des Lebens!