Achtsamer Blick

Alain Huber

Direktor von Pro Senectute Schweiz

über den Generationendialog

In der Rubrik „Mein achtsamer Blick“ unserer Partnerzeitschrift Doppelpunkt wirft jede Woche eine Persönlichkeit aus Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft einen Blick auf das, was für sie zählt. Der Sonntag publiziert diesen Beitrag für seine Lesserinnen und Leser online. Die Meinung der Autorinnen und Autoren muss sich dabei nicht mit derjenigen der Redaktion decken.

Alle „achtsamen Blicke“ finden Sie unter www.doppelpunkt.ch/achtsamer-blick.

Auf den Generationsdialog Acht geben

Die Erfahrungen des letzten schwierigen Jahres zeigen: Ältere Menschen werden geschätzt. Sie sind ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Miteinanders. Es braucht den Zusammenhalt und die Solidarität aller Generationen, um auch in schwierigen Zeiten als Gesellschaft zu funktionieren. Ältere Menschen nehmen dabei zentrale Funktionen wahr: Sie hüten Grosskinder, betreuen ihre Nächsten beim Älterwerden und sind sehr häufig ehrenamtlich in Milizämtern, Vereinen oder Organisationen tätig.

Ohne die unbezahlte Arbeit von Pensionierten würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Das Betreuen von Enkelkindern beispielsweise ist nicht nur in sozialer Hinsicht extrem wertvoll, sondern nimmt auch in volkswirtschaftlicher Hinsicht einen enormen Stellenwert ein. So übernehmen Grosseltern – in normalen Zeiten – Betreuungsaufgaben von bis zu 160 Millionen Stunden pro Jahr. Das entspricht täglich über 400 000 Arbeitsstunden. Darüber hinaus unterstützen sie ihre Familie und Angehörige auch sonst in vielerlei Hinsicht.

Unterstützung beim Älterwerden
Alter ist eine Frage des Standpunkts. Das chronologische Alter muss nicht mit dem biologischen und schon gar nicht mit dem gefühlten Alter übereinstimmen. So haben wir es heute mit einer Generation älterer Menschen zu tun, die aktiv ist, sich einbringen möchte und wichtige Funktionen in der Gesellschaft übernimmt.

Das Altersbild hat sich gewandelt – und das ist schön. Gleichwohl braucht es Möglichkeiten für Unterstützung beim Älterwerden. So darf auch Pro Senectute an 130 Standorten in der Schweiz auf mehr als 18 000 vorwiegend ältere Menschen zählen, die unsere Dienstleistungen erst möglich machen.

Achtsamer Blick

Doch diesem Zusammenspiel der Generationen muss Sorge getragen werden. Hier ist Achtsamkeit vonseiten der Gesellschaft gefragt. Ein zentrales Thema sind die Betreuung und Pflege im Alter. 96 Prozent der Seniorinnen und Senioren leben heute in den eigenen vier Wänden. Oft braucht es Unterstützung von Dritten, damit dies bis ins hohe Alter möglich ist. Den Löwenanteil dieser Aufgaben übernehmen nach wie vor die Familie und Verwandte. Mit zunehmendem Alter wandeln sich jedoch die Bedürfnisse älterer Menschen, was zu einem Kraftakt für das freiwillige Netz der Helfenden wird.

Hier ist ein offenes Gespräch über Wünsche, eigene Bedürfnisse und Ängste wichtig – insbesondere für das eigene Umfeld und für die Menschen, die einem nahestehen. Achtsamkeit ist also nicht nur gegenüber dem Generationendialog gefragt, sondern auch in ganz persönlicher Hinsicht und gegenüber dem familiären Umfeld. Es braucht gute, professionelle und vor allem finanzierbare Dienstleistungen, um die ältere Bevölkerung zielgerichtet dort zu unterstützen, wo der Erhalt der Selbstständigkeit und Autonomie im eigenen Zuhause gefördert werden kann.

Zudem gilt es, darauf zu achten, dass die Sozialwerke auch für die zukünftigen Generationen gesichert sind. Wir müssen Sorge dafür tragen, dass auch die jungen Menschen eine positive Perspektive haben. Gerade im Dialog zwischen den Generationen ist es wichtig, dass man füreinander Respekt und Verständnis aufbringt, auch wenn es schwierig zu werden scheint.

Alain Huber ist Direktor von Pro Senectute Schweiz.