Glaubensimpuls von Robert Vorholt

Plötzlich wurde es ganz leise im Hörsaal. Thema waren die Gleichnisse Jesu, die allen irgendwie geläufig sind. Doch an einer Stelle des Markusevangeliums klärt Jesus die Frage, weshalb er eigentlich zu den Menschen in Gleichnissen spricht. Die Antwort, die der Gottessohn nach der Erinnerung des ältesten Evangeliums gibt, fand bei den Studentinnen und Studenten auf Anhieb kein Gefallen. Nicht wenige zeigten Diskussionsbedarf an. Jesus sagt nämlich nach Mk 4,11f. – im Anschluss an ein Wort des Propheten Jesaja: «Sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird.» Das ist ein prophetisches Wort. Eines, das klarmachen will, dass es auch in Glaubensfragen keinen Automatismus gibt. Führt Jesus nun aber Menschen mit seiner bildhaften Sprache bewusst hinters Licht? Das wollten unsere Studentinnen und Studenten zum Glück nicht glauben. Und so ergab sich ein lebendiges Gespräch darüber, was eigentlich Glaube ist, und wie das geht – glauben.

Vom Markusevangelium her ist klar, dass der Glaube an den Gott, der die Menschen liebt und dessen Liebe stärker ist als der Tod, kein statischer Glaube ist. Er ist nicht ein für alle Mal gewonnen, man erhält ihn nicht luftdicht in Tüten abgepackt. Der Glaube ist vielmehr, weil er lebendig sein will, dynamisch: Mal ist er stark, mal ist er schwach; mal kann er Berge versetzen, mal führt er Menschen in die Glaubenskrise. Gott lädt Menschen ein, zu glauben. Aber er weiss auch um die Herausforderung des Glaubens. Um das Ringen darum und um die Abgründe des Zweifels. Eine junge Frau ergänzt spontan, dass es gerade Erfahrungen von menschlichem Leid und von Traurigkeit sind, die sie für ihren persönlichen Glauben als Anfrage erlebe. Ihre Stuhlnachbarin erwähnt unterschiedliche Weisen von Ungerechtigkeit, die ihr bisweilen die Glaubens-Sprache verschlagen. Und ein Student berichtet von einem permanenten Auf und Ab, das er in Fragen des Glaubens erlebe: Mal sei alles sonnenklar, mal sinnentleert und finster.

Das alles hat Jesus wohl im Sinn, wenn er auf seine besondere Weise den Glauben thematisiert. Mehr als um das Fürwahrhalten bestimmter Glaubensinhalte, geht es dabei um eine vertrauensvolle Gottesbeziehung, die sich am sichersten bewahrheitet, wo das Leben spielt. Der Schriftsteller und Lyriker Reiner Kunze ist immer ein Gottsuchender gewesen. Ob er ihn je gefunden hat, weiss er nicht so genau. Und doch hat er immer wieder neu auf die Karte des Glaubens gesetzt, vorsichtig, zaghaft – und so, wie er es in einem seiner Gedichte zum Ausdruck bringt: «Durch die risse des glaubens schimmert/ das nichts// Doch schon der kiesel/ nimmt die wärme an/ der hand».