Ende 1922 erschien der Roman Bambi von Felix Salten. Das Drama vom Kitz wurde 1942 durch den Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios zum Welterfolg. Seither kennt jedes Kind Bambi. Weniger bekannt ist, dass Salten auch der pornografische Roman Josefine Mutzenbacher zugeschrieben wird, dass er eng zu Gustav Klimt stand und 1939 in die Schweiz flüchtete. Er verstarb vor 75 Jahren in Zürich. Seit 1950 ist ihm der Bambi-Brunnen in Zürich gewidmet.

von Carl Meissen

In einem Wald wird ein kleiner Weisswedelhirsch geboren, der den Namen Bambi erhält und von allen Waldbewohnern freudig begrüsst wird. Und bald gehören der freche Hase Klopfer und das Stinktier Blume zu seinen besten Freunden. Sommer und Herbst vergehen wie im Fluge und damit auch die glückliche Kindheit, denn ein Jäger erschiesst Bambis Mutter. Aber Bambi ist nicht allein, sein Vater, der grosse Fürst des Waldes, nimmt sich seines Sprosses an, um aus ihm seinen Nachfolger zu formen. Dieser wächst heran und lernt immer mehr dazu.

Seither kennen Generationen von Kindern Bambi. Und als Disney in den 1990er-Jahren den Zeichentrickfilm Der König der Löwen produzierte, diente Bambi als Vorbild. Deshalb wurde er dann von Kritikern als «Bambi in Afrika» bezeichnet.

Geschrieben hat die Geschichte von Bambi der österreichisch-ungarische Schriftsteller und Jäger Felix Salten mit 53 Jahren. Auch seine Romane Der Hund von Florenz und Die Jugend des Eichhörnchens Perri wurden von Walt Disney verfilmt.

Siegmund Salzmann wurde 1869 als Sohn des ungarischen jüdischen Ingenieurs Philipp Salzmann in Pest geboren. Als er vier Wochen alt war, übersiedelte die Familie nach Wien. Mit 16 Jahren verliess er das Gymnasium und arbeitete bei einer Versicherung und begann zu schreiben. 1890 lernte er im damaligen Künstler-Kaffeehaus Griedsteidl, das als «Café Grössenwahn» bezeichnet wurde, die Exponenten von Jung-Wien kennen und befreundete sich mit Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal und Karl Kraus. Unter dem Künstlernamen Salten entwickelte er sich zu einem einflussreichen Journalisten, mächtigen Kulturkritiker, experimentierfreudigen Theatergründer, engagierten Repräsentanten des Judentums und Mitstreiter der Wiener Moderne. 1906 erschien als anonymes Werk der pornografische Roman Josefine Mutzenbacher, der die sexuellen Abenteuer einer Dirne beschreibt. «Von ihr selbst erzählt», steht auf dem Titel. Offenbar sorgte Karl Kraus dafür, dass Salten das Skandalwerk zugeschrieben wurde. Denn Salten hatte von 1903 bis 1905 eine Reihe von Porträts der gekrönten Häupter Europas mit pikanten Details unter dem Pseudonym Sascha in der Wiener Zeitung Zeit veröffentlicht. Seine Tochter Anna Katharina, die als Journalistin und Schauspielerin arbeitete, heiratete in der Schweiz den Schauspieler Hans Rehmann und später Veit Wyler, Badener Rechtsanwalt und zionistischer Politiker. Sie bewirkte für ihre Eltern im Februar 1939 eine Aufenthaltsgenehmigung in der Schweiz unter der behördlichen Auflage, keiner journalistischen Arbeit nachzugehen. Felix Salten starb am 8. Oktober 1945 in Zürich, nachdem er Jahre mit Walt Disney um das Copyright für Bambi gestritten hatte. Denn er hatte nur 1000 Dollar für die Filmrechte erhalten.

Saltens Nachlass befindet sich seit 2015 zum grössten Teil im Bestand der Wienbibliothek im Rathaus. Zu seinem 75. Todestag ist dort eine Ausstellung zu sehen, die seine vielfältigen Tätigkeiten ausleuchtet. Zum Beispiel seine Rolle als Kunstkritiker im Umfeld von Gustav Klimt. Leben, Werk und kulturelle Vernetzung dieser schillernden Persönlichkeit werden in der Ausstellung aus einer neuen Perspektive gezeigt. Die Ausstellung «Im Schatten von Bambi» ist bis zum 25. April 2021 in der Wienbibliothek im Rathaus, die zum Wienmuseum MUSA gehört, zu sehen.