Immer wieder kommen wir in Situationen, in denen wir nicht weiterwissen. Wir merken dann, in uns ist die Antwort nicht zu finden, sie muss irgendwo draussen liegen. Wir suchen nach Beratung, nach Ratschlag. Einen solchen einfachhin als einen Schlag zu beurteilen, der weh tut, wie man immer wieder etwa hört, trifft es nicht. Vielmehr ist Rat zu suchen und Rat zu erteilen ein uraltes Phänomen. In Mythen und Märchen beraten sogar die Tiere und die unbelebten Dinge den Menschen. Da kann man von Früchten Weisheit essen und häufig liegt im Wertlosen und Weggeworfenen Wegweisung. Die Schöpfung weiss Rat für den Menschen und sie ist dienstwillig.

In der Natur verdichtet sich ein tiefes Wissen. Dies findet sich genauso in weisen und lebensklugen Menschen. Glücklich, wer sich im Zweifelsfall an solch erfahrene Personen wenden kann. Rat erteilt man im Zweifel. Und Zweifel bedeutet, etwas ist zweigeteilt. Der gute Rat nun legt diesen einen Weg wieder frei, der dem eigenen Wesen und Leben entspricht. Denn oft kann ein fremder Blick diesen Weg besser erkennen als unsere eigene Sicht. Wir jedoch spüren, wenn es für uns stimmt, und dann sagen wir, das hätte uns auch selbst in den Sinn kommen können.

In unserer Zeit liegt Beratung im Trend. Es gibt sie in allerlei Formen und Arten. Meist ist das Ziel, eine Änderung zu bewirken, eine Verbesserung oder einen Fortschritt zu erzielen. Das ist an sich nichts Schlechtes, führt aber immer wieder auch in eine Überforderung und Unzufriedenheit hinein, wenn die gesteckten Ziele nicht erreicht werden oder ganz schlicht die Zeit nicht reif ist. Dann kann es sehr entspannend, ja sogar erlösend sein, wenn wir mit jemandem zusammen sein dürfen, der uns nicht berät, keine Änderungen und Verbesserungen von uns verlangt. Mir scheint, Kardinal John Henry Newman, der von der anglikanischen zur katholischen Kirche konvertiert war, muss dies während seines Betens erfahren haben, wenn er schreiben kann:

«Gott schaut dich, wer immer du seist, so, wie du bist, persönlich. Er ruft dich bei deinem Namen. Er sieht dich und versteht dich, wie er dich schuf. Er weiss, was in dir ist, all dein Fühlen und Denken, deine Anlagen und deine Wünsche, deine Stärke und deine Schwäche. Er fühlt mit deinen Hoffnungen und Prüfungen, er nimmt Anteil an deinen Ängsten und Erinnerungen. Er umfängt dich rings und trägt dich in seinen Armen. Er liest in deinen Zügen, ob sie lächeln oder Tränen tragen, ob sie blühen an Gesundheit oder welken in Krankheit. Er horcht auf deine Stimme, das Klopfen deines Herzens, selbst auf deinen Atem. Du liebst dich nicht mehr, als er dich liebt.»

Auf diese Weise im Gebet zu sein ist allemal ein guter Rat!