Christian Cebulj, katholischer Theologe und Rektor der Theologischen Fakultät Chur, schreibt, was jetzt zählt. Er nimmt dabei Bischof Marian Eleganti ins Visier, der tatsächlich glaubt, das Coronavirus sei eine Strafe von Gott, von dem auch Bischof Eleganti sagt, dass er die Menschen über alles liebe.

Angst ist menschlich. Und sie ist eine wichtige Emotion, denn Angst bewahrt uns im richtigen Augenblick vor falschen Schritten. Wer auf einer Brücke steht, nach unten schaut und dabei einen schnelleren Puls oder ein flaues Gefühl im Magen hat, kann beruhigt sein: Es funktioniert alles richtig.

Anders verhält es sich mit der Panik. Panik ist nicht gut, denn sie verleitet zu falschen, auch zu gefährlichen Schritten. Angesichts der Corona-Epidemie ist daher wichtig: Angst dürfen wir haben, Panik bitte nicht.

Wir müssen auch vor Corona keine Angst haben, sagen die Experten. Aber weil niemand weiss, wie heftig das Virus wird, ist die Ungewissheit die grosse Verbündete der Angst, die durchaus zu Panik führen kann. Dagegen helfen vor allem sachliche Informationen von Fachleuten und die bekommen wir in unserem gut organisierten Gesundheitssystem genügend.

Gegen die Panik hilft auch ein Höchstmass an Skepsis, wann immer Verschwörungstheorien die abstrusesten Szenarien entwerfen, gerade auch im Bereich von Religion und Kirche. Wenn etwa der Churer Weihbischof Eleganti die völlig unchristliche Auffassung vertritt, das Coronavirus habe mit dem spirituellen Verhalten der Menschen zu tun, sagt er damit indirekt, das Virus sei eine Strafe Gottes. Solche Aussagen sind nicht nur hilflos, sondern zynisch und verhöhnen die Toten, die das Virus schon hervorgebracht hat. So ein Bischof gehört entlassen.

Gegen Angst und Panik helfen viel eher Gelassenheit und Gottvertrauen. Wir Erwachsene können hier von den Kindern lernen. Kinder, die ein Urvertrauen in Eltern, Grosseltern und nächste Bezugspersonen erlernt haben, vertrauen auch auf Gott. Sie zeigen keine Angst, sondern glauben vertrauensvoll dem Gott, der sie schuf, der sie beschützt und begleitet.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Erwachsene sollen freilich nicht bei ihrem Kinderglauben stehen bleiben. In der Religionspsychologie ist es ein wichtiger Entwicklungsschritt, wenn Kinder das mythisch-wörtliche Glauben an biblische Geschichten überwinden und symbolisch glauben lernen. Wenn Kinder Symbole deuten können, haben sie einen tragenden Grund für ihren Lebensglauben erreicht. In Coronazeiten heisst das: Gott greift nicht wie ein Automat von oben in unser Gesundheitssystem ein. Aber Gott symbolisiert eine Liebe, die nie vergeht, und darauf dürfen wir vertrauen, auch wenn uns das nicht immer leicht fällt.

Vielleicht hilft uns in diesen Tagen eine praktische Anregung aus der Mönchstradition. Ein Kapuzinerpater in der Türkei hat mir erzählt, dass er bei der Gartenarbeit durch ständig wiederholte Gebetssätze Gott dazu hole. Da die Mediziner als Schutz vor einer Infektion wiederholtes, rund 30-sekündiges Händewaschen empfehlen, wäre mein Tipp: Zwei gesprochene Vaterunser machen 30 Sekunden. Sie stellen das Vertrauen auf Gott meiner Ungewissheit gegenüber Corona an die Seite. So können wir symbolisch jeden Tag versuchen, eine erwachsene Glaubenshaltung einzuüben, aber: keine Panik, bitte!