In den vergangenen Wochen haben wir wohl alle das Daheim-Sein anders erlebt als auch schon, intensiver, häufiger, spannungsvoller oder sogar zeitweise unerträglich, aber hoffentlich immer wieder auch gemütlich.

Ein Daheim haben, das ist etwas Wichtiges. So richtig bewusst geworden ist mir dies, als wir bei uns Flüchtlinge aus Syrien beherbergen durften. Diese Dankbarkeit für ein Dach über dem Kopf, das hat mich tief beeindruckt. Im Gespräch miteinander war das Erzählen vom Daheim, das zurückgelassen werden musste und zum Teil auch zerstört worden war, ein grosses Thema. Und eine grosse Frage war, ob es möglich sei, eine eigene Wohnung zu finden und hier in der Schweiz ein neues Daheim aufzubauen. Stark war zu spüren, dass der Verlust sich wohl nie würde ausgleichen lassen. Und ich nahm meine Hilflosigkeit wahr, denn selber ununterbrochen mit einem Daheim beschenkt, war es mir nicht möglich, einen solchen Schmerz wirklich nachzuempfinden.

Nun sind auch wir durch die Pandemie beunruhigt oder sogar aufgeschreckt worden, und die Wirklichkeit, dass unser Daheim-Sein in dieser Welt bedroht ist, rückt unverhofft stärker in den Vordergrund. Gewiss sind es nicht dieselbe Bedrohung und Verunsicherung, welche Flüchtlinge erleben, und doch ist für viele ein grosses Stück an Sicherheit weggebrochen. Vielleicht ein Stück falscher Sicherheit? Eine Weisheitsgeschichte geht dieser Frage nach:

«Irgendwann im letzten Jahrhundert besuchte ein Tourist den polnischen Rabbi Chofetz Chaim. Erstaunt sah er, dass der Rabbi nur in einem einfachen Zimmer voller Bücher wohnte. Das einzige Mobiliar ausser dem Regal waren ein Tisch und eine Bank. ‘Rabbi, wo sind Ihre Möbel?’, fragte der Tourist. ‘Und wo sind Ihre?’, entgegnete Chofetz. ‘Meine? Aber ich bin nur zu Besuch hier. Ich bin nur auf der Durchreise’, erwiderte der Tourist. ‘Genau wie ich’, sagte der Rabbi.»

Das Fest der Auffahrt, der Himmelfahrt Christi, das wir in diesen Tagen feiern, lenkt unseren Blick auf das Thema vom Daheim-Sein. Dieses Ereignis wird in der Apostelgeschichte bildhaft erzählt und spricht vom körperlichen Verschwinden von Jesus, seinem Hinaufgehen in den Himmel. Dies ist aber nur ein Bild für eine Wirklichkeit, die sich schwer in Worten ausdrücken lässt. Silja Walter hat es in einem Gebet so formuliert: «Du kommst zu uns, um da zu sein, wo wir sind, Herr: im Kampf, in Versuchung, in unsere Welt. Du holst uns heim, damit wir sind, wo du bist, Herr: in deinem Zuhause beim Vater.»

Das frohe und stärkende Vertrauen, dass auch wir einmal heimgeholt werden ins Zuhause beim Vater, das wünsche ich Ihnen zum Auffahrtsfest!