An Ostern wird die Auferstehung von Jesus gefeiert. Ostern ist somit das Fest der Überwindung des Todes. Dennoch bekunden die Christen Mühe, diese Tatsache in ihr Leben zu integrieren. Das ewige Leben bleibt meist ausgeklammert.

von Anton Ladner

Wagen Sie einen Versuch. Kommen Sie in einer Kaffeerunde oder bei einem gemeinsamen Nachtessen auf das ewige Leben zu sprechen: Ob daran geglaubt werde und wie man sich ein Leben nach dem Tod vorstelle. In der Regel entsteht daraus ein spannendes Gespräch mit interessanten Offenbarungen. Sicher wird jemand der Anwesenden erklären, nach dem Tod sei alles vorbei. Andere glauben, dass vielleicht die Energie in irgendeiner Form weiterlebt oder in eine Summe von Energien einfliesst.
Sich auf die Win-win-Situation einzulassen, einfach an ein Leben nach dem Tod zu glauben, mögen einige nicht. Dabei wäre es doch das Einfachste. Gibt es das ewige Leben nach dem Tod, hat man auf die richtige Karte gesetzt. Gibt es kein ewiges Leben nach dem irdischen, merkt man es nicht, weil man ja tot ist. Doch diese «Kalkulation» mag man allgemein nicht ins Leben integrieren. Dafür gibt es viele Gründe. Der Tod scheint immer weit weg zu sein und es gibt im Hier und Jetzt immer Wichtigeres als den Tod. Und die Vorstellung, ewig zu leben, bereitet auch Angst. Möchten Sie auf dieser Welt ewig leben? Das wäre doch die Hölle im wahrsten Sinne. Die meisten möchten zwar alt werden, länger leben. Unklar bleibt dabei aber in der Regel wozu. Alt werden und lang leben ist oft auch mit schmerzlichen Einschränkungen verbunden. Das wird aber gerne ausgeblendet. Alt werden kann recht brutal sein, vor allem wenn man zum Pflegefall wird und immer auf Dritte angewiesen ist, auf das Wohlwollen anderer. Dann wird das Loslassen, der Tod, das Ende, zur Alternative, zur Hoffnung und manchmal auch zu einer richtigen Sehnsucht. Alte Menschen sagen dann, sie hofften, dass Gott sie bald zu sich hole, einzelne sprechen von heimholen.
In unserer Gesellschaft ist die Altersvorsorge heute ein wichtiger Faktor. Wir haben ein Drei-Säulen-Konzept: AHV, berufliche Vorsorge und Privatvermögen. An eine vierte Säule, den Tod, wird nicht gedacht. Natürlich kann man den Tod nicht wie die Pensionierung planen, aber man kann das Ende in sein eigenes Leben integrieren, wie man das heute mit dem Ende der Berufstätigkeit tut. Was bringt das konkret? Eine Menge Gelassenheit durch Relativierung. Endlichkeit kann entlastend wirken. Denn die Menschen neigen dazu, ihre Bedeutsamkeit zu überschätzen. Institutionen und Unternehmen bestehen weiter, wenn auch plötzlich die unverzichtbare Frau oder der unersetzbare Mann an der Spitze stirbt. Es geht immer irgendwie weiter, was das eigene Wirken stark relativiert. Sich das vor Augen zu halten, die eigene Sterblichkeit auf dieser Welt, sorgt für etwas Elastizität im Leben. Eine Fünf gerade sein lassen, sich versöhnen, obschon die Fakten dagegen sprechen, die Vergangenheit ruhen lassen – mit der eigenen Endlichkeit vor Augen wird das leichter. Glaubt man an eine weitere Existenz nach dem irdischen Tod, kann das in schweren Situationen durchaus sinnstiftend sein. Der Glaube eröffnet einen grösseren Kontext. Dadurch erscheint Schweres und Belastendes erträglicher. Die Auferstehung ist nämlich der Urgrund des Glaubens.

Licht ausstrahlender Leib
In keiner Stelle des Neuen Testaments ist der Vorgang der Auferstehung beschrieben. Nicht der Prozess ist von Bedeutung, sondern die Wirkung. Gleiches gilt für die theologische Auseinandersetzung, ob Gott Jesus erweckt, auferweckt, habe oder ob Jesus von sich aus auferstanden sei. Im siebten Jahrhundert wurde an der elften Synode von Toledo die Formulierung festgelegt, Christus sei aus eigener Kraft von den Toten auferstanden. Der katholische Katechismus beschreibt heute die Auferstehung Jesu durch den Willen des Vaters, durch die göttliche Macht Jesu Christi und durch das Wirken des Heiligen Geistes.

Als wichtigstes Auferstehungszeugnis gilt Kor 15,1-8 – seines Alters wegen und weil der Autor Paulus historisch gesichert ist.
«Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäss der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als Letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der ‹Missgeburt›.»

Forscher gehen davon aus, dass Paulus bei einem ersten Jerusalembesuch einzelne Passagen von der christlichen Urgemeinde übernommen hat, die in Aramäisch verfasst waren. Bei der Erscheinung von Jesus sind reale, sinnliche Erfahrungen gemeint. Paulus und viele seiner Zuhörer kannten den historischen Jesus nicht. Deshalb hat Paulus die noch lebenden Zeugen aufgeführt, damit sie befragt werden konnten. Es handelt sich dabei um das einzige Zeugnis in der Ich-Form. Paulus berichtet mehrmals von einem Licht ausstrahlenden Leib, von einem geistigen, von Feuer durchdrungenen Leib. Dieser Auferstehungsleib besitzt eine Ausstrahlungskraft und deshalb fühlten die Emmaus-Jünger angesichts des Auferstehungsleibes Jesu plötzlich ein Brennen im Herzen. Die Auferstehung ist deshalb keine Wiederbelebung, sondern eine Verwandlung in eine ewige Existenz. Nicht das leere Felsengrab ist entscheidend, sondern die Begegnung mit diesem strahlenden Körper Jesu.