Sind Sie schon einmal «ins kalte Wasser» gesprungen? Natürlich in einem übertragenen Sinne: Haben Sie sich schon einmal, frei und mutig, in eine neue, ganz andere Lebenssituation begeben, die Ihnen anfangs alles andere als geheuer war? Weil Sie nicht wussten, was auf Sie zukommt? Weil Sie nicht wussten, ob Ihre Kräfte reichen und Sie der Sache gewachsen sind?

Vielleicht denken Sie an Ihren allerersten Arbeitstag – damals, als Sie bei Ihrer Firma oder Ihrer Behörde anfingen und alles ganz neu für Sie war. Oder als Sie zum ersten Mal mit Ihrer späteren Schwiegermutter allein unter vier Augen waren und Sie einen guten Eindruck hinterlassen mussten. Oder denken Sie an die Geburt Ihres Kindes: Sie waren auf einmal Mutter oder Vater, alles war wunderbar – doch was kam da für eine Verantwortung auf Sie zu!

Es ist solch ein Sprung, den Gott dem Abraham abverlangt. Gott sagt: «Geh fort von hier, zieh in ein Land, das ich Dir zeigen werde.» Können Sie sich das vorstellen? Da soll Abraham einfach wegziehen! Fort aus der Gegend, die doch seine Heimat war, wo ihm jeder Baum und jeder Weg vertraut waren. Wo er Familie und Freunde hatte, wo er aufgewachsen und wirklich zu Hause war.

Das ist schon ein echter Bruch. Der Sprung ins kalte Wasser. Die einzige Sicherheit: Gott will bei ihm sein. «Ich werde Dich segnen», heisst es. Das ist alles. Keine Prospekte, keine Prognosen, keine Gewissheit und erst recht keine Sicherheit. Und doch: Abraham geht. Er macht sich auf den Weg. Was hat Abraham bewogen? Wieso springt er ins kalte Wasser? Warum macht er sich auf den Weg, anstatt zu Hause zu bleiben, wo doch alles warm und wohlig ist? Die Bibel redet nicht lange um den heissen Brei herum. Sie antwortet: Abraham glaubte Gott (vgl. Gen 15,6). Er vertraute Gott. Mehr noch: Er gehorchte Gott. Der neutestamentliche Hebräerbrief sagt es später so: «Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen (…), und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde» (vgl. Hebr. 11,8). Er sah Gott nicht, und dennoch glaubte er.

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, wenn Sie das hören − mich jedenfalls fasziniert diese Vertrauensgeschichte. Sie spricht von einer Glaubenstreue, die schlichtweg imponiert; von einer Zuversicht, die allein auf die Verlässlichkeit und Verheissungstreue Gottes baut. Und von einem Gott, auf den Menschen sich verlassen dürfen, weil Er so etwas ist wie der Fels in der Brandung. Damit lässt es sich leben – ganz gewiss im Zugehen auf Ostern, so oder so.