Auf der Internetseite der katholischen Kirche der Schweiz (kath.ch) kann man unter News Kommentare zu aktuellen Themen lesen. Die meistgelesenen Beiträge bleiben längere Zeit aufgeschaltet und es wird angegeben, wie viele Leute den Beitrag angeschaut oder gelesen haben. Bei den meisten Beiträgen sind so zwischen 1000 und 5000 Lesende zu verzeichnen. Anders war es beim Kommentar von Pater Martin Werlen, ehemaliger Abt des Klosters Einsiedeln. Er schrieb am 7. März einen Beitrag mit dem Titel «Gute Nachrichten zum Corona-Virus» und wollte damit, wie er bemerkte, den Horizont in der gegenwärtigen Not etwas weiten. Der Beitrag erhielt schon bald 13 000 Lesende, zuletzt waren es beinahe 23 000 Personen.

Diese Beobachtung passt gut zum Fest, das die Kirche gestern gefeiert hat, Verkündigung des Herrn. Gefeiert wurde es, aufgrund der Bestimmungen zum Coronavirus, ohne öffentliche Gottesdienste, und vielleicht ist dieser Festtag deswegen da und dort sogar vergessen gegangen. Aber gerade die Aussage dieses Festes kann den Horizont in der gegenwärtigen Not nicht nur etwas, sondern sehr viel weiten. Wir feiern an Verkündigung des Herrn, dass der Engel Gabriel zu Maria kommt und ihr die Botschaft bringt, sie werde Jesus empfangen und gebären. Sehr gut könnte man diesem Festtag deswegen den Namen geben «Fest der frohen Botschaft». Denn die Botschaft, die Maria empfängt, spricht vom Leben, das kommt und das da ist, unzerstörbar und für jeden Menschen. Die frohe Botschaft dieses Festtages lautet, Gott sieht dich, Gott schenkt dir von seinem Leben und Gott beauftragt und befähigt dich, dieses Leben weiterzuschenken.

Botschaften erreichen uns auf vielen Wegen. Zuallermeist werden sie nicht durch Engel überbracht, sondern von Mensch zu Mensch, per Post, Telefon oder durchs Internet. Botschaften können Freude machen, von Freundschaft sprechen, Interessantes und Neues berichten, Hilfe geben, unterhalten und auch informieren. Sehr viele Botschaften, die derzeit durch den Äther fliegen oder auf Zeitungspapier gedruckt werden, sind beängstigend und verbreiten Krisenstimmung. Und doch ist das Interesse an solchen Nachrichten riesig. Sie verbreiten sich von Mund zu Mund in rasantem Tempo, Internet und Handy laufen heiss, denn der Sensationshunger ist gross.

Gross ist offenbar aber auch das Bedürfnis nach Ermutigung und Zuspruch, was das enorme Interesse an den guten Nachrichten von Pater Martin zeigt. Denn was brauchen wir in Zeiten der Unsicherheit und Gefährdung mehr als eine frohe Botschaft, die in ängstlicher Verengung und Verunsicherung den Horizont weitet, die ermutigt und tröstet?

Gott schenkt uns seine Liebe und sein unzerstörbares Leben in jedem Augenblick. Ich darf empfangen und als Empfangende selber zu einer Botschafterin werden, die sagt und auf das hinweist, was Leben ermöglicht, Leben vermehrt und Leben bewahrt.