Kennen Sie das? – Es ist mitten im Dezember, Wochenende – denn so etwas passiert immer am Wochenende – und die Heizung ist kaputt. Was jetzt? Mit etwas Zweifel rufe ich den Kundendienst an. Wahrscheinlich wird man mich auf die kommende Woche vertrösten. Während ich in der Warteschlange hänge, überlege ich schon, ob wir noch einen elektrischen Heizapparat irgendwo haben. Als ich dem Mitarbeiter dann das Malheur beschreibe, sagt er ganz lapidar: «Ich komme.» Einfach so – ich komme. Ein Stein fällt mir vom Herzen. Alles halb so schlimm. Alles wird gut.

Oder andersherum: Es ist Abend, ich komme gerade von einem Abendtermin nach Hause. Da ruft mich eine Freundin an. Sie ist völlig verzweifelt, in Tränen aufgelöst. Wir kennen uns seit unserer Schulzeit und seit längerer Zeit leidet sie an einer schweren Depression. «Ich kann nicht mehr», sagt sie. «Ich weiss nicht mehr weiter.» «Ich komme», sage ich und suche schon nach den Autoschlüsseln.

«Ich komme» – oft braucht es nicht mehr als diese zwei Worte, um einem anderen Menschen wieder Mut zu geben, Hoffnung zu schenken. Hinter diesem Wort steht so viel: «Du bist mir wichtig.» – «Ich bin für dich da!» – «Du kannst dich auf mich verlassen.» – «Wir schaffen das gemeinsam, alles wird gut.»

Vor 2000 Jahren hat Gott dieses Wort Wirklichkeit werden lassen, Mensch werden lassen. «Ich komme!», hat Gott gesagt und diese zwei Worte in Jesus Christus eingelöst. Und ER hat es nicht deswegen getan, weil er dafür bezahlt wird oder einen Feiertagszuschlag bekommt. Er hat es auch nicht nur für die getan, die ein besonderes Verhältnis zu ihm haben. Nein, er ist gekommen – für alle. Für dich und für mich, für die Menschen, die ihn kennen, und die, die ihn nicht kennen, für diejenigen, die ihn bejahen und für die, die ihn verachten – und auch für jene, die völlig gleichgültig sind. Und hinter diesem Kommen Gottes liegt so viel mehr als Weihnachtslieder, Glühwein, Lichter und Weihnachtsgans. Der grosse Theologe Karl Rahner, hat dieses «Ich komme», das Gott gesagt hat, ausgedeutet:

Gott hat sein letztes, tiefstes, schönstes Wort
im fleischgewordenen Wort
in unsere Welt gesagt.
Und dieses Wort heisst:
Ich liebe dich, du Welt, du Mensch.
Ich bin da: Ich bin bei Dir.
Ich bin dein Leben.
Ich bin deine Zeit.
Ich weine deine Tränen
Ich bin deine Freude.

Fürchte dich nicht.

Wo du nicht weiter weisst,
bin Ich bei dir.
Ich bin in deiner Angst,
denn Ich habe sie mitgelitten.
Ich bin in deiner Not und in deinem Tod,
denn heute begann Ich
mit dir zu leben und zu sterben.
Ich bin in deinem Leben
Und ich verspreche Dir:

Dein Ziel heisst Leben.

«Ich komme», hat Gott gesagt – und ich weiss: Alles wird gut!

Gesegnete Weihnachten!