Wann handelt es sich um einen Ausverkauf der Heimat, wann ist es schlicht eine wohltuende Rettung? Viele Schweizer Traditionshotels hätten ohne Investoren aus dem arabischen Raum keine Zukunft.

von Anton Ladner

Der saudische Elektroingenieur Sami Al Angari brachte die Erlösung. Er übernahm Anfang 2018 für 58 Millionen Franken die sechs Hotels des traditionsreichen Ferienvereins. Darunter befinden sich die bekannten Häuser Victoria-Lauberhorn in Wengen und Schweizerhof in Sils Maria. Mit dieser Übernahme fand eine zehnjährige Krisengeschichte ihr Ende, was den Hotels einen Neustart ermöglicht. Die Gründung des Ferienvereins geht auf die Initiative eines Postbeamten zurück, mit dem Ziel, den PTT-Mitarbeitern gute und günstige Ferienmöglichkeiten in der Schweiz zu bieten. Das Unternehmen kaufte über Jahre bekannte Schweizer Hotels und Kurhäuser, später auch eine Anlage in Spanien und auf Sardinien. Wertberichtigungen führten 2006 zu einer massiven Überschuldung, was zu einem Neuanfang unter der Poscom Ferien Holding AG führte. Die Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich musste damals auf 46 Millionen ihrer Investition in den Ferienverein von 109 Millionen Franken verzichten. Trotz operationeller Gewinne stiegen die Schulden nach der Sanierung wieder auf 67 Millionen Franken an und das bei einem enormen Investitionsbedarf. Mit dem Verkauf an den Saudi findet somit ein Schrecken ohne Ende nun einen Schluss mit Schrecken. Denn mit dem Verkauf 2018 erhielten die 9000 Kleinaktionäre, die meisten davon ehemalige PTT-Angestellte, nur noch 25 Prozent des einbezahlten Kapitals, und auch die Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich musste nochmals mit einem Abschreiber von 8,5 Millionen Franken Haare lassen. Ist das eine gute Entwicklung? Im Fall des Ferienvereins, der sich heute unter dem Namen Arenas The Resorts neu positioniert, sogar ein Glücksfall. Das lässt sich am Hotel Victoria-Lauberhorn in Wengen exemplarisch nachvollziehen.

Das 1887 im Stil des Historismus erbaute und 1909 bis auf die Grundmauern abgebrannte Hotel steht in Wengen an bester Lage, wenige Schritte von der Zahnradbahn entfernt, die bis zur Kleinen Scheidegg hochsteigt und eine immer grössere Passagierzahl aus Asien zur Jungfraujoch-Bahn bringt. Mit 120 Zimmern gehört das Victoria zu den grossen Hotels in Wengen. Alle Zimmer wurden bei der Übernahme im Jahr 2000 durch den Ferienverein erneuert, was damals eine enorme Investition darstellte. Nach bald 20 Jahren drängt sich wieder eine Gesamterneuerung der Zimmer und Nasszellen auf. Deshalb wurde für das traditionsreiche Hotel lange eine Käuferschaft gesucht – vergeblich. Pro Zimmererneuerung sind mit bis zu 50 000 Franken zu rechnen, um eine nachhaltige Wirkung zu erreichen. Das sind im Falle von Arenas Resort Victoria-Lauberhorn allein sechs Millionen Franken. Auch bei der Fassade ist eine Renovation überfällig. Weil Wengen nicht per Strasse erreichbar ist, muss das gesamte Baumaterial per Zahnradbahn oder Helikopter transportiert werden. Diese Sondersituation verteuert eine Renovation um bis 100 Prozent.

Das Hotel ist trotz Investitionsbedarf ein beliebtes und gut ausgebuchtes Familienhotel, das bei einem Drei-Sterne-Preisniveau in einigen Punkten ein Vier-Sterne-Angebot zur Verfügung stellt: ein Solbad, ein soeben erneuerter Wellnessbereich, zwei Restaurants, eine schöne Bar. Diese Philosophie soll auch nach der schrittweisen Sanierung weiterhin gelten, weil die Arenas Resorts die Wachstumschancen in erschwinglichen Angeboten für Aktivferien sehen, ob in Wengen, Sils Maria oder Sardinien.

Eine ähnliche Vergangenheit haben die Bürgenstock-Hotels hinter sich, aber auf einem höheren Niveau mit einem entsprechend tragischen Intermezzo. Die von der Familie Frey ausgebaute Hotelanlage zog in den 1950er-Jahren viel Prominenz an. Audrey Hepburn heiratete auf dem Berg und Sophia Loren hatte dort zeitweise sogar ihren Wohnsitz. Im Jahr 2000 gingen die Hotels zusammen mit fünf weiteren Schweizer Nobelherbergen an die französische Richemont-Gruppe. Geplant war der Ausbau des Bürgenstock Resorts für 140 Millionen Franken. Daraus wurde aber nichts. Die Hotels mussten 2006 schliessen, weil das Geld fehlte, darunter auch der berühmte Schweizerhof in Bern. 2008 tauchte schliesslich die Retterin Barwa Real Estate Company aus Katar auf, die damals zu 45 Prozent dem Staat Katar gehörte. Sie stellten auf dem Bürgenstock Investitionen von 300 Millionen Franken in Aussicht. Es kam aber noch besser. Im September 2018 wurde auf dem Bürgenstock die grösste Hotelanlage der Zentralschweiz eröffnet, mit zwei renovierten und zwei von Grund auf neu gebauten Hotels. In Auftrag gegeben wurde das ganze Projekt vom katarischen Staatsfonds, der 550 Millionen Franken investierte. Auf dem Bürgenstock wird heute der Superluxus zelebriert, und als Besucher fragt man sich, ob das trotz 29 Awards ein Businessmodell ist oder doch eher die Sommerresidenz des grossen Hofes von Katar. Es handelt sich um ein architektonisches Feuerwerk mit atemberaubenden Aussichtspunkten auf die Seen. In der Schweiz gehören nebst dem Bürgenstock der Schweizerhof in Bern und das Hotel Royal Savoy in Lausanne den Investoren aus dem Emirat. Auch das Atlantis in Zürich, ehemals Sheraton, wurde 2012 als Bauruine von Katar gekauft und nach einigen Auseinandersetzungen über Bauvorschriften mit der Stadt Zürich 2015 als Fünf-Sterne-Haus wiedereröffnet. Das oberstes Stockwerk sollte vor allem dem 2016 verstorbenen Emir von Katar dienen. Mit 1975 Quadratmetern ist diese Hotelsuite die grösste in Europa.

Hilfe vom Golf kam auch 2008 für die Credit Suisse, die sich damals mitten im Sturm der Finanzkrise auf arabische Retter stützen konnte. Diese Rettung hatte allerdings einen hohen Preis. Für die Notdarlehen von 4,225 Milliarden in Dollar musste die Bank einen Zins von neun bis elf Prozent pro Jahr bezahlen. Innerhalb von zehn Jahren, so lang liefen die Kredite, zahlte die Bank 5,8 Milliarden Franken Zins nach Katar und Saudi-Arabien. Denn Khaled Olayan von der saudischen Olayan Group und das Herrscherhaus Katars sind Grossaktionäre der Credit Suisse. Die Qatar Holding LLC hält 16,04 Prozent an der Bank und die Olayan Group 4,9 Prozent. Deshalb eilten Olayan mit einem Kredit von 1,725 und Katar mit 2,5 Milliarden Dollar der wankenden Bank zu Hilfe. Anders verlief damals die Rettung der UBS. Sie liess sich vom Staat stützen – zu weit günstigeren Bedingungen, was aber auf viel Kritik stiess.