Auf einer einsamen Insel der Bahamas leben wilde Hausschweine, die sich über Besucher freuen. Sie schwimmen ihnen jeweils entgegen, weil sie sich  von ihnen Futter erhoffen. Der Pig Beach ist deshalb ein beliebter Ausflugort geworden, was nun die Tiere gefährdet.

 von Carl Meissen

Exuma heisst ein Distrikt der Bahamas, der aus über 360 Inseln besteht. Eine davon ist Staniel Cay, die über drei Süsswasserquellen verfügt. Unmittelbar neben Staniel Cay liegt die Insel Big Major Cay. Was gross klingt, ist ein kleines unbewohntes Territorium, wo der Legende nach Matrosen Hausschweine ausgesetzt hatten, um sie später bei einem Ausflug auf die Insel zu grillieren. Einer anderen Legende nach haben die Schweine einen Schiffbruch überlebt. Dabei sei es ihnen gelungen, ans Ufer zu schwimmen. Es kursiert auch die Behauptung, die Schweine seien von einer nahegelegenen Insel geflüchtet und hätten sich auf der unbewohnten Insel niedergelassen. Unbestritten ist, dass die Insel heute von rosa und dunkelbraunen Schweinen bewohnt wird, die sich dort «schweinisch» vergnügen. Sie liegen am Strand tief im Sand in der Sonne und kühlen sich ab und zu im karibischen Wasser ab. Seither hat die Insel auch einen Ortsnamen erhalten: Pig Beach, der Schweinestrand, heute eine Touristenattraktion. Vor der Corona-Krise wurden sogar Tagesausflüge von Miami an den Schweinestrand angeboten. Der Flug nach Nassau und die lange Bootsfahrt zu den Schweinen von etwa acht Stunden hin und zurück hatten allerdings einen gesalzenen Preis. Und die Scheine haben ihre Launen. In faulen Phasen lassen sie sich nämlich nicht blicken. Es braucht dann Geduld im Boot vor dem Strand und vor allem den richtigen Lockruf der ortskundigen Bootsbesatzung, bis die Schweine aus dem Dickicht an den Strand kommen. Der Anblick eines Boots löst bei ihnen dann immer Fressfreude aus. Die Schweine stürzen sich ins Wasser und schwimmen dem Boot entgegen. Dabei richten sie ihre Schnauze schnorchelartig auf. Schwimmend grunzen sie, wohl aus Freude, was sie beim Boot erwartet. Wenn sich das Boot zu nahe am Strand befindet und die Schweine liebevoll empfangen werden, springen sie oft ins Boot,  um sich auf die Suche nach Köstlichkeiten zu machen. Bei einigen Schweinestrand-Besuchern hört dann der Spass auf.

Die Regierung der Bahamas hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2020 ein Fünftel des Meeresgebiets in ihrem Territorium zu schützen. Der Schweinestrand gehört nicht dazu, weil auf der benachbarten Insel Staniel Cay eine gute Tourismusinfrastruktur besteht. Die Insel, die 120 Kilometer von Nassau und 400 Kilometer von Miami entfernt liegt, verfügt über einen Jachthafen, einen kleinen Flughafen, eine Kirche, ein Postbüro und drei Geschäfte für die 118 Bewohner, was die Insel den Touristen als Paradies erscheinen lässt. Im Sommer beträgt die Temperatur 30, im Winter 25 Grad, und das Wasser schwankt zwischen 20 und 25 Grad. Die Insel war auch zweimal Kulisse für einen James Bond-Film: 1965 für «Feuerball», deshalb heisst nun die Grotte, wo gefilmt wurde, Feuerball-Grotte, und 1983 für den Film «Sag niemals nie», was immer noch Touristen anlockt. Deshalb kommen Schutzauflagen für den Schweinestrand nicht infrage – noch nicht.

Kürzlich wurden nämlich einige der schwimmenden Schweine tot aufgefunden. Touristen sollen ihnen tödliche Dosen von Alkohol verabreicht haben. Tierärzte fanden jedoch auch grosse Mengen Sand in den Mägen der Tiere. Der Zustrom von Besuchern hat dazu geführt, dass die zahlreichen Besucher kleine Mengen an Futter an den Strand warfen.