«Ein grosser Vorsatz scheint im Anfang toll», meinte Goethe. Wir meinen, die Klimakrise braucht grosse und damit vernünftige Vorsätze. Deshalb hat sich die Dornbusch Medien AG vorgenommen, bis Ende 2021 klimaneutral zu werden. Das ist eine Reise mit vielen Unwägbarkeiten. Denn es ist schlicht nicht klar, was dieser Vorsatz alles bedingen wird und ob er sich so absolut umsetzen lässt. Vieles werden wir erst im Laufe der Zeit realisieren, vieles werden wir lernen müssen und bestimmt werden wir uns ab und zu die Zähne ausbeissen. Aber verlieren können wir nicht, denn alles, was wir umsetzen können, das CO2 einspart, ist bereits ein Gewinn.

 

Unser Vorsatz zum Geburtstag: Bis Ende 2021 sind wir klimaneutral

 

Man kann von Greta Thunberg und der streikenden Klimajugend halten, was man will. Man kann Ursula von der Leyens milliardenschweren «Green Deal» für die EU und die «grüne Welle» in der Politik als zeitgeistigen Aktionismus verstehen. Eines aber bleibt, egal, wie viele Minuten vor zwölf es nun tatsächlich ist: Der nachhaltige Schutz unserer Umwelt muss für uns ein zentrales Anliegen sein.

Gerade und auch für unseren Verlag. Dieses Jahr feiert der «Sonntag» sein 100-jähriges Bestehen. Seit seiner Gründung stehen urchristliche Werte im Zentrum. Dazu gehört auch, dass wir mit der Schöpfung und unseren Errungenschaften respektvoll und nachhaltig umgehen.

Doch auch uns trifft immer wieder eine menschliche Schwäche: Darüber reden – oder im Fall eines Medienunternehmens: darüber schreiben – ist meistens einfach. Konkrete Taten bleiben häufig aus, da man dafür seine Komfortzone verlassen muss.

Das wollen wir ändern. Wir nehmen «100 Jahre Sonntag» zum Anlass, einen grossen Vorsatz zu fassen: «Bis Ende 2021 sind wir klimaneutral», lautet unsere Vision. Ein ambitioniertes Ziel, dessen sind wir uns bewusst. Nicht zuletzt, weil unser Unternehmen davon lebt, Produkte auf Papier zu drucken und jährlich zu Hunderttausenden zu verschicken. Aber es ist eben auch ein Ziel, das eine klare Ansage ist. Und damit es nicht nur bei einer solchen bleibt, haben wir unsere Mitarbeiterin Alexandra Neumann zur «Umweltministerin» mit definiertem Stellenpensum ernannt.

 

Der Mut, weiterzugehen

Und wir möchten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, auf diese Reise mitnehmen. Zum einen als Impulsgeber. Welche Vorschläge haben Sie? Was sind Ihre Umweltschutz-Rezepte? Zum anderen aber auch mit der Absicht, aufzuzeigen, wo Lösungen für einen praktischen Umweltschutz liegen – und wo wir an Grenzen stossen. Denn erste Schritte sind für alle noch verhältnismässig einfach. Papierverbrauch reduzieren, Treppe statt Lift benutzen, Licht löschen. Doch schon da entpuppen sich erste Massnahmen als «mühsam». Als deutlich komplexer werden sich hingegen aber Entscheide herausstellen, bei denen sich das auf den ersten Blick Offensichtliche und die Wissenschaft widersprechen. Wie zum Beispiel bei der Versandfolie unserer Zeitschriften. Denn so «logisch» eine Lösung auf den ersten Blick aussieht, so viele Fragen wirft sie bei der vertieften Auseinandersetzung auf: Zum einen sehen die Vorschriften der Post vor, dass «Zeitungen und Zeitschriften über Format B5 zu verpacken» sind, und zwar «auf allen Seiten verschlossen» und «für die maschinelle Verarbeitung geeignet». Zum anderen kam eine Studie des WWF, welche die Ökobilanz über den gesamten Lebensweg von Magazinverpackungen untersuchte, zum Schluss, dass «die Magazinverpackung aus HDPE-Folie aus ökologischer Sicht signifikant besser abschneidet als die Verpackung aus Biofolie und als das Couvert aus Recyclingpapier».

Welches also ist der richtige Weg? Wo gibt es Lösungen und neue Innovationen, die es einem kleinen Unternehmen wie unserem ermöglichen, klimaneutral zu arbeiten? Und: Was heisst «klimaneutral» überhaupt? Die wahrhafte Auseinandersetzung mit dem Klimaschutz hat bei uns begonnen, viele 100 Fragen und Herausforderungen werden noch auf uns zukommen. Doch das Ziel ist bekannt und der erste Schritt ist getan. Das allein macht schon Mut, weiterzugehen.

Fabian Egger

Mitinhaber und Verleger

 

Mit Euphorie auf den Weg

Ich freue mich ausserordentlich, dass ich dieses Projekt übernehmen darf und zusammen mit dem Verlag einen konkreten Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Auf der anderen Seite bin ich aber auch stark gefordert, denn eine erklärte Fachfrau dafür, ein Unternehmen in die Klimaneutralität zu begleiten, bin ich noch nicht. Heute ist es jedoch wichtig, endlich loszugehen in Richtung Klimaneutralität, global gesehen genauso wie als Unternehmen. Sich nicht zu scheuen, die grossen Projekte anzupacken, selbst wenn vielleicht noch nicht alle Kompetenzen vorhanden sind. Denn die Zeit drängt und die Expertise kommt auch mit der Praxis. Aktivismus – nicht blinder, sondern engagierter – hat eine grosse Wirkung nach aussen, denn er generiert immer auch Nachahmerinnen und Nachahmer. Es braucht Menschen mit Mut, die bereit sind, Lösungen umzusetzen, die zur Dimension des Problems passen. Global auf Netto-Null zu kommen, bedeutet, auch in kleinen Bereichen Netto-Null zu erreichen.

 

Zusammen werden wir CO2-neutral

In einem ersten Schritt wird es darum gehen, sich einen Überblick zu verschaffen über alle Bereiche des Unternehmens, in denen Energie und Emissionen eingespart werden können. Gleichzeitig gilt es, diese Bereiche zu gewichten: Wo fällt eine Einsparung richtig ins Gewicht und sollte deshalb rasch umgesetzt werden und was sind kleine Schritte, die dafür eher sichtbar und motivierend sind. Anschliessend braucht es einen vernünftigen Aktionsplan, ein motivierendes Einbeziehen des Teams, sodass alle Betroffenen mitmachen und an Bord bleiben oder auch selber Ideen entwickeln. Teamgeist und eine möglichst breite Identifikation aus Einsicht in die Notwendigkeit des Ziels sind wichtig, damit sich niemand überfahren fühlt, und jeder bereit ist, mitzuziehen.

Es wird Veränderungen geben, die die Freude an der Arbeit und vor allem am Arbeitsort erhöhen können.

Kommunikation ist dabei das A und O – und glücklicherweise auch eine der Kernkompetenzen eines Verlages. Durch die Kommunikation von Neuerungen und Änderungen kann man neue Normen setzen auch in Bereichen, die «doch schon immer so» waren. Schlussendlich braucht es eine vielfältige, klimaneutrale neue Praxis, die Standard werden kann, genauso wie die heutige Praxis Standard geworden ist. Es ist uns dabei ein grosses Anliegen, unseren Prozess nachvollziehbar zu kommunizieren und unser neues Wissen zu teilen, damit möglichst viele Nachahmerinnen und Nachahmer unterstützt und motiviert werden.

 

Weil es funktioniert

Ich freue mich jetzt schon, mich mit anderen Klimaschützerinnen und -schützern darüber auszutauschen, was sich bei Dornbusch alles bewegt – an einem Ort, an dem wir es vielleicht bis vor Kurzem nicht für wahrscheinlich gehalten haben, dass die Bereitschaft vorhanden ist, etwas zu bewegen. Denn jede Entwicklung in Richtung Klimaneutralität zeigt, dass es funktionieren kann, in einem kleinen Verlag genauso wie global.

Alexandra Neumann

Grafikerin und Projektleiterin Klimaexperiment