Widerständigkeit ist unbequem, ganz gleich, von welcher Seite her man sie betrachtet. Widerstand leisten ist anstrengend, denn dazu braucht es Mut. Wer – umgekehrt – Widerstand erfährt, gerät unter Druck.

In den vergangenen Wochen konnten wir vermehrt über widerständiges Verhalten hören und lesen. Junge Menschen gehen auf die Strassen unserer Städte: «Stopp dem Klimawandel!»

In Zürich forderten Schwule und Lesben zum 25. Mal volle Akzeptanz in unserer Gesellschaft. Auch sie gingen auf die Strasse (und in einen speziellen Gottesdienst). Ja, und dann der Streik der Frauen, der (leider?) auch auf Kirchenfrauen überschwappte. 

Ist es eigentlich gerechtfertigt, ein Loblied auf die Widerständigkeit zu singen?

Ich liebe es, mich an biblischen Geschichten zu orientieren. Besonders angetan hat es mir die schreiende Frau, von welcher der Evangelist Matthäus (15, 21–28) erzählt: Jesus hatte sich mit seiner Jüngergruppe in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurückgezogen, in eine nichtjüdische Region. Da geschieht es, dass eine Frau aus dieser Gegend sich schreiend an ihre Fersen heftet. Sie hat ein krankes Kind. Seltsamerweise schenkt Jesus ihr keine Beachtung.

Dies hindert sie nicht daran, die ganze Männergruppe hartnäckig mit ihrem Geschrei zu nerven. Das gelingt, und man(n) will sie loswerden. Die Jünger wenden sich an Jesus: Er solle ihr doch das geben, wonach sie verlange, damit Ruhe einkehre. Jesus jedoch verweist auf seine Sendung, die sich nur auf sein eigenes Volk beziehe. Das Brot, das er zu geben habe, sei bestimmt für die Kinder des Hauses Israel, nicht aber für die Hunde. Genau das versteht die Frau sofort. Mit den Hunden ist sie gemeint und ihre kranke Tochter. Als nichtjüdische Menschen haben sie mit Jesus keine Tischgemeinschaft.

Jetzt aber, mit aller Schlagfertigkeit, «demonstriert» sie Widerstand: «Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.» Auf diese Brocken habe sie das gleiche Recht wie die Kinder, die am Tisch sitzen. Dem Sohn Davids – so hatte sie Jesus zuvor angesprochen – scheint augenblicklich klar zu werden, dass er in seiner Sendung die Grenzen seines jüdischen Volkes zu überschreiten hat. Und er tut es. Er wendet sich der Frau zu, bestätigt ihr einen grossen Glauben und heilt ihr Kind.

Hätte die Frau sich einfach mit ihrem Schicksal zufriedengeben sollen? Und mit ihr alle Frauen und Männer, die nicht in unsere Konzepte passen? Wohin kämen wir mit unserem Klima? Wohin kämen wir mit unserer Kirche? Gemäss der Botschaft Jesu gibt es dort Platz für alle, die sich nach Heil, Heilung und Gottesnähe sehnen.