Glaubensimpuls Schwester Simone Hofer

Bei Fahrten im Zug zeigt sich meist das gleiche Bild. Jede und jeder sitzt für sich allein, beschäftigt mit Handy, Laptop, allenfalls einem Buch oder sonst beim Betrachten der vorbeieilenden Landschaft. Die Atmosphäre ist eher dumpf und gleichgültig. Dies änderte sich einmal überraschend bei einer kürzlich erlebten Zugfahrt. Üblicherweise laufen die Lautsprecheransagen im Zug ja nach einer festen Formal ab. Nun aber tönte es so aus dem Lautsprecher: «Liebe Fahrgäste, so langsam nähern wir uns Zürich Hauptbahnhof und wie es scheint sogar pünktlich. Sie werden auf Gleis 12 aussteigen, wenn Sie in Zürich bleiben oder umsteigen. Sollte Zürich nicht ihr Traumziel sein, stehen Ihnen folgende weitere Verbindungen zur Verfügung ….» Schon bei den ersten Worten veränderte sich die Stimmung im Zug schlagartig. Die Leute schauten auf, schauten einander an, begannen sich zu entspannen, zu schmunzeln.

Der Mensch ist ein schöpferisches Wesen und keine Maschine. Dieses Schöpferische ist in uns angelegt, ist uns zu eigen. Wir können dies auch im Bild von Frage und Antwort ausdrücken. Jeden Augenblick können wir als Frage bezeichnen, die sich uns stellt. Unsere Reaktion darauf ist das Antworten. Im obigen Beispiel war die Frage, die sich der Ansagerin stellte: Wie willst du die Ansage durchgeben? Ihre Antwort war nicht Routine, sondern ein schöpferischer Akt, sie war einmalig und unverwechselbar. Immer ist es dieses Schöpferische, das die Welt gestaltet und verwandelt. Es ist klar, dass es neben diesem schöpferisch Kreativen auch die Routine braucht. Sie gibt eine gewisse Ordnung und Sicherheit, ohne die unser Alltag kaum zu bewältigen wäre. Aber nur noch Routine ohne Kreativität macht das Leben starr und abgestumpft, – wohingegen ein schöpferischer Akt, eine kreative Tat, aufweckt, Lethargie bannt, Kontakte schafft und etwas Neues in die Welt setzt.

Wir Menschen sind ständig angefragt von Situationen, die uns begegnen. Auf vieles haben wir eine routinierte Antwort. Warum nicht einmal bewusst vom Trott der Routine abweichen, ein Stück Welt und Leben kreativ und schöpferisch selbst gestalten? Warum nicht zur Arbeit einen Weg wählen, den ich noch nie gegangen bin? Warum nicht einen Menschen grüssen, den ich noch nie gegrüsst habe? Warum nicht zum Geburtstag anstatt einer Mail oder WhatsApp eine handgeschriebene Karte schicken?

Wir Christen nennen die schöpferische Kraft in uns den Heiligen Geist. Er ist es, der uns befähigt, Neues in die Welt zu setzen, Kontakte zu schaffen, unverwechselbar wir selbst zu sein. Feiern wir also dieses Geschenk an Pfingsten ausgiebig!