Neulich war ich mal in eine dieser Imbissstuben am Rande einer Autobahn eingekehrt. Dort am Tresen hockten zwei querschlanke Damen und unterhielten sich über die vielen Feiertage im Mai. «Was ist eigentlich noch mal Pfingsten gewesen?», fragte die eine. «Das können wir zwei Hübschen ja gar nicht wissen», kicherte die andere, «dafür sind wir nicht fromm genug.» Irgendwann hatten die beiden mich entdeckt, und was dann kam, war eine Art Glaubensgespräch über Gottes Geist in einer Pommesbude an der A1. Wozu braucht es Pfingsten?

Zu allen Zeiten haben sich Glaubende schwer damit getan, den Heiligen Geist zu erfassen. «Ich glaube an den Heiligen Geist», so bekennen wir es im Credo. Aber was heisst das? Was steckt dahinter? Viele haben den Gottesgeist längst innerlich zu Grabe getragen. Er ist ihnen einfach zu unpersönlich, zu wenig greifbar. Andere berufen sich geradezu ekstatisch auf das Wirken des Heiligen Geistes. Sie wissen immer ganz genau, wo er wirkt, vor allem, wo nicht, und verwechseln nur allzu leicht die Gestalt der Taube Gottes mit ihrem eigenen Vogel.

Schaut man in den Schatz christlichen Glaubens, lässt sich entdecken, dass vom Heiligen Geist immer dann am eindrucksvollsten die Rede ist, wenn in Bildern von ihm, von seiner Wirkweise gesprochen wird. Der Heilige Geist als Atem Gottes. Der Heilige Geist in Feuer und in Sturmesbraus. Der Heilige Geist als Band der Liebe und so weiter. Die Bilder sind sicher Legion. Eines spricht besonders an. In einem bekannten Pfingsthymnus, ein altehrwürdiges Lied, das um die Gabe des Geistes bittet, findet sich das Bild vom «Finger». Der Heilige Geist als «Finger Gottes».

Das ist vielleicht das unbekannteste, aber sicher eines der einleuchtendsten Bilder. Es sagt: Gott rührt uns immer wieder neu an. Er bringt in uns gute Gedanken und geistige Vitalität hervor. So wie wir einem Menschen, der in Gedanken versunken ist, bisweilen mit dem Finger auf die Schulter tippen und ihn dadurch ganz vorsichtig wecken, so ist der Heilige Geist der Finger Gottes, der unsere Seele bewegt. Der Mut und Demut hervorruft, Liebe und Mitleid, Hoffnung und Trost.

In jeder Begegnung, in jedem Gebet, in jedem Sakrament, in jedem guten Gedanken und jedem guten Wort berührt uns Gott durch Seinen Geist. Und er lenkt uns durch diese Berührungen, immer leicht und unaufdringlich, und ohne dabei unsere Freiheit zu verletzen. Die Menschen, die sich ihm öffnen, bewegen dadurch wieder andere Menschen. Familien, Freundeskreise, Pfarrgemeinden, sogar die ganze Kirche kann auf diese Weise neue Ausrichtung finden!

Der Heilige Geist als Finger Gottes. Jesus greift das Bild auf, wenn er den Geist einmal «unseren Beistand» nennt. Ein guter Beistand hält sich vorsichtig zurück und lässt uns selber machen. Gibt aber immer wieder Fingerzeige und Anregungen. Ein guter Beistand steht niemals im Vordergrund. Deshalb ist es vielleicht sogar ein Kompliment für den Geist, dass Pfingsten kaum verstanden wird.