Achtsamer Blick

Jean-Pierre Siggen

Fribourger Staatsrat 
und Präsident der CIIP

Die Bedeutung der Frankofonie in der Schweiz

In der Rubrik „Mein achtsamer Blick“ unserer Partnerzeitschrift Doppelpunkt wirft jede Woche eine Persönlichkeit aus Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft einen Blick auf das, was für sie zählt. Der Sonntag publiziert diesen Beitrag für seine Lesserinnen und Leser online. Die Meinung der Autorinnen und Autoren muss sich dabei nicht mit derjenigen der Redaktion decken.

Alle „achtsamen Blicke“ finden Sie unter www.doppelpunkt.ch/achtsamer-blick.

Eine Frage des Image

Am 20. März ist der Internationale Tag der Frankofonie. Dieser Tag steht nicht nur in der französischsprachigen Welt ganz im Zeichen der Verbreitung und Förderung des Französischen als Weltsprache. Besonders sollen dabei auch der Reichtum und die Vielfalt der frankofonen Kulturen und das Französische als Sprach- und Kulturgut in einer globalisierten und häufig englisch-dominierten Welt unterstrichen werden. In der Schweiz ist die Interkantonale Erziehungsdirektorenkonferenz für die Westschweiz und das Tessin CIIP seit über 25 Jahren für die Koordination zahlreicher Anlässe während der «Semaine de la langue française et de la francophonie (SLFF)» verantwortlich.

Auch dieses Jahr werden während zehn Tagen einem frankophilen Publikum zahlreiche kulturelle Veranstaltungen rund um die französische Sprache präsentiert. Aufgrund der geltenden Corona-Massnahmen werden Vorträge und Lesungen, Theater- und Tanzaufführungen in vielen Schweizer Städten und in Liechtenstein auch oder vor allem online stattfinden und so einem noch breiteren Publikum zugänglich sein. Ebenfalls können durch die Digitalisierung der Anlässe auch Redner aus dem Ausland auftreten. So erwarten die Organisatoren der SLFF gerade dieses Jahr eine noch breitere Wirkung auch ausserhalb der Grenzstädte wie zum Beispiel Basel und beabsichtigen, vermehrt auch ein nicht frankofones Publikum anzusprechen, welches sich mit der Sprache vertraut machen möchte.

Neben dem umfangreichen Kulturprogramm mit zahlreichen Partnern legt die SLFF einen besonderen Schwerpunkt auf das Bildungsangebot für Schülerinnen und Schüler aus allen Sprachregionen des Landes. Im Zentrum stehen hier vor allem Klassen von Französischlernenden in der Deutschschweiz. Mit speziellen Angeboten für Lehrkräfte und Schüler soll das Bewusstsein für die französische Sprache gefördert werden. Dies vor allem ausserhalb der üblichen Lehrpläne – wie beispielsweise mit Schreib-, Slam- und Storytelling-Workshops, die von Profis, Künstlern und Schriftstellern begleitet werden. Die «Semaine de la langue française et de la francophonie» soll Spass machen und Freude bereiten. Und das soll sich auch im Klassenzimmer widerspiegeln. Ein Ansinnen, das von Lernenden und Lehrpersonen gleichermassen positiv aufgenommen wird.

Gerade die interaktive und dynamische Herangehensweise der Moderatoren, die mit ihren unterschiedlichen Akzenten die Diversität der weltweiten französischen Sprache sehr lebendig zeigen, hilft den Schülern, Vorurteile und eine gewisse Schüchternheit beim Erlenen einer Sprache abzulegen. Immer wieder zeigte sich in der Vergangenheit, dass selbst «Fremdsprachen-Widerspenstige» durch die Aktionen schon fast zu «Französisch-Enthusiasten» wurden. Der von der SLFF gewählte Ansatz ist somit ein gutes Mittel, um der jüngeren Generation und Französischlernenden in der Deutschschweiz ein attraktives Bild nicht nur der französischen Sprache, sondern auch der frankofonen Kultur zu vermitteln. Ein Ansinnen, das in gerade unserer multikulturellen und vielsprachigen Schweiz ein zentrales Anliegen sein muss.

Jean-Pierre Siggen ist Fribourger Staatsrat und Präsident der CIIP – die Interkantonale Erziehungsdirektorenkonferenz der französischen Schweiz und des Tessins.

Weitere Informationen finden Sie unter www.slff.ch.