Ein römisches Museum zeigt in einem Raum drei Statuen aus weissem Marmor. Die zwei ersten stellen griechische Gottheiten der Antike dar, kraftvoll und stark. Dahinter die dritte Statue: eine geschundene Leiche. Dargestellt wird so der gekreuzigte Jesus.

Immer, wenn ich diese Figuren anschaue, frage ich mich: «Gibt es eigentlich etwas Paradoxeres? Etwas Provokanteres? − Da glauben die Christinnen und Christen an Jesus, den Christus, und schauen auf eine leidende und sterbende Kreatur. Stellt man sich so etwa einen Gottessohn vor?» Um die Störanfälligkeit des Kreuzes Christi wusste schon der Apostel Paulus: Der Gekreuzigte, sagt er, sei den Frommen ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit.

Den Heiden eine Torheit. Fragen Sie mal die, die sonntags ihren Hintern lieber unter die Sonne eines Solariums als in das harte Kissen einer Kirchenbank platzieren, was sie von einem gekreuzigten Gott halten. «Blödsinn», werden die vermutlich sagen. «Es gibt andere Dinge, die der Verherrlichung wert sind: Geld, Schönheit, Fun.»

Den Frommen ein Ärgernis. Kennen wir Glaubende nicht das Kreuz mit dem Kreuz? Wer hätte nicht schon einmal unter dem Eindruck seines dunklen Schattens mit Gott gehadert?

Trotzdem riskieren wir dieser Tage wieder neu den Blick darauf und stellen uns dem Geheimnis des Kreuzes. Warum tun wir das? Vielleicht, weil wir im Glauben begriffen haben, dass der Kreuzestod Jesu auch etwas mit uns und mit unserem Leben zu tun hat. Denn, so hält es das Neue Testament in der Vielzahl seiner Stimmen fest, Jesus hat gelitten und er hat es für uns getan.

Viele – auch glaubende – Menschen gehen davon aus, Gott schmeisse ihnen seine Liebe wie billigen Ramsch hinterher, der «liebe Gott», weil er halt nicht anders könne, als lieb zu sein – denken wir. Dass aber Gott sich diese Versöhnung mit uns Menschen etwas kosten lässt, nämlich das unbegreifliche Geschehen des Kreuzes, das vergessen wir leicht. Darum ist es gut, dass wir an Passionstagen wie diesen den Kreuzestod Jesu für uns wieder neu bedenken.

Ich finde, es ist ein schöner und tiefer Gedanke, den die heilige Teresa von Avila, diese Powerfrau des späten Mittelalters, einmal ausgesprochen hat. Sie sagt: «Könnten wir Menschen nur annähernd begreifen, was es für Gott bedeutet, unsere Lieblosigkeit zu ertragen und seine Enttäuschung immer wieder neu in Liebe zu verwandeln, wir würden eher sterben wollen als ihn noch einmal zu enttäuschen.»

Das ist das Geheimnis des Kreuzes: Gott selbst hat lieber sterben wollen, als uns Menschen zu enttäuschen, indem er uns in unserer Todesverfallenheit stecken lässt. Wie sagt Paulus noch? Den Frommen ein Ärgernis. Den Heiden eine Torheit. Uns aber, den Glaubenden, Gottes Kraft!