Glaubensimpuls von Franziska Driessen-Reding

Am 13. Juni tagte das katholische Kirchenparlament, die Synode, im Zürcher Rathaus. Engagierte Frauen sprachen die besinnlichen Worte zu Beginn und verteilten pinkfarbene Kleber mit der Aufschrift: «Gleichberechtigung. Punkt. Amen».

Ganz besonders gefiel mir, dass viele Männer sich ebenfalls einen solchen Sticker aufs Hemd klebten. Ich bin der Überzeugung, dass wir auf dem Weg zur Gleichberechtigung Männer wie Frauen brauchen. Auf diesem Weg sollten aber nicht – einmal mehr – die Frauen vergessen werden. Weg nicht vergessen. Denn die Geschichte zeigt uns, dass dies immer wieder geschehen konnte:

Am 29. Juni feierte die Kirche das Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus. In vielen katholischen Kirchen schmücken grosse Skulpturen dieser wichtigen „Apostelfürsten“ die Säulen links und rechts des Altars: Petrus mit dem Schlüssel als Symbol der Entscheidungsmacht darüber, was im Himmel und auf Erden gebunden oder getrennt sein soll, Paulus mit Schwert und Buch als Symbole für die Wahrheit, also die Entscheidung darüber, was richtig und falsch ist. Nicht von ungefähr prägen die Schlüssel des Petrus auch etliche Wappen von Päpsten und Bischöfen.
Zweifellos haben Petrus und Paulus unschätzbare Bedeutung für die Entstehung der Kirche, und selbstverständlich wollen wir ihnen gedenken. Aber war da nicht noch was? War nicht die erste Zeugin der Auferstehung Maria von Magdala, also eine Frau? Und wer blieb Jesus treu bis zum Kreuz? Wer sass an Pfingsten nicht in der Mitte der Jüngerschar, als der Heilige Geist auf sie herabkam? Es war Maria, die Mutter Jesu. Und hat nicht Paulus selbst in seinen Briefen verschiedenen Frauen, die Vorsteherinnen ihrer Gemeinden waren, namentlich gedankt? Was ist aus all den Frauen geworden, die für die Entstehung der Kirche genauso bedeutend waren wie Petrus und Paulus?
Was wir am 29. Juni feierten, steht symbolisch auch für die Macht der Männer in der Kirche, was wir heute „Klerikalismus“ nennen. Nicht zufällig ist der Festtag der Apostelfürsten ja auch der Tag, an dem traditionell die Priester geweiht werden.

Deshalb der Vorschlag: Erweitern wir das Hochfest Petrus und Paulus um die Namen der Apostelin Maria von Magdala, um das Gemeindeleiterehepaar Priska und Aquila, die Diakonin Phöbe, die Apostelin Junia (aus der Mann in der Übersetzung schnell einen Junius gemacht hat) – und feiern wir künftig am 29. Juni das Fest der Gleichberechtigung in der Kirche.