Gestern hatte unsere kleine Klostergemeinschaft Besuch von den Highway Hogs – einem Motorradclub hier in Dänemark. Vor zwei Jahren waren sie schon einmal bei uns. Damals hatte eines der Mitglieder, ein Diakon, den Kontakt hergestellt. Jetzt wollten sie uns wieder besuchen. Als wir im Garten sassen bei einem Glas alkoholfreiem Bier und einigen Grillwürsten, kam das Gespräch auf den Glauben – wohlweislich nicht von uns angestossen. Es schien diesen Männern irgendwie ein Bedürfnis zu sein, darüber zu sprechen.

Dem einen von ihnen, weil er an gar nichts glaubt und sich über seine Schwiegermutter ärgert, die einer Pfingstkirche angehört und bei Besuchen oder Feiern unbedingt das Tischgebet beten will, was ihn aber schrecklich nervt. Er fühlt sich dann immer von ihr und ihrem Glauben vereinnahmt. Er wollte von uns wissen, ob es in Ordnung wäre, wenn er auf der Silberhochzeit seines Sohnes vom Tisch aufstehen und gehen würde, wenn besagte Schwiegermutter wieder verlangt, dass das Tischgebet gesprochen werden muss. «Sie kann ja so viel beten wie sie will, aber sie soll mich damit in Ruhe lassen.»

Dem anderen, weil er eine besondere «Abmachung» mit Gott hat. Er sagte: «Wenn ich in die Welt schaue, dann sehe ich, dass so viel Trauriges passiert, und ich denke mir, da hat Gott jede Menge zu tun. Mir geht es aber gut, also wenn ich jetzt mit meinen kleinen Bitten komme, dann halte ich doch Gott davon ab, woanders zu helfen. Also habe ich mit Gott eine Abmachung getroffen: Ich lass dich in Ruhe und du lässt mich in Ruhe.»

Zwei Menschen, die in ihrem Leben mit Gott zu tun haben. Der eine, der von seiner Schwiegermutter in Ruhe gelassen werden will und sich wehrt, weil er «bebetet» und ihm der Glaube «übergestülpt» wird, der andere, der von Gott in Ruhe gelassen werden will – und der dafür Gott in Ruhe lässt.

Beide wollen von Gott in Ruhe gelassen werden. Und doch reden beide von ihm, werden ihn scheinbar nicht los. «Denkst du, ich bin gottlos?», fragt mich der erste. «Nein», sage ich, «denn um gottlos sein zu können, muss man erst Gott loswerden». Und füge in Gedanken hinzu: «Und das wird Gott nicht zulassen. Gott sei Dank!»