Die NASA veröffentlichte ein im Weltraum aufgenommenes Bild, das Journalisten zur reisserischen Frage «Ist das die Hand Gottes?» inspirierte. Ein bläulicher Neutronenstern hat zufällig die Form einer Hand, die nach dem Feuer greift. Faszinierend und erstaunlich zugleich.  

In der christlichen Kunst hatte man immer etwas Hemmungen, Gott menschlich darzustellen. Das Bilderverbot in der jüdischen und islamischen Religion ist darin viel konsequenter. Und trotzdem kommt der Mensch nicht ganz um Vorstellungen herum, die eben nur menschlich geprägt sein können. Die Bibel kennt Bilder und Vorstellungen, die nur einen Aspekt von Gott darstellen, ohne in Anspruch zu nehmen, damit das Ganze ausgedrückt zu haben. «Das Auge Gottes», «die Stimme Gottes» oder eben auch «die Hand Gottes». 

Eigentlich ist gerade die Hand etwas, das vor allem den Menschen auszeichnet. Wir empfinden uns als Gebende und Empfangende, wir arbeiten, gestalten, planen, lieben, strafen, verletzen und heilen mit unseren Händen. Wir sprechen vom Werk unserer Hände, von unserer Hände Arbeit und meinen unseren Lebensraum und das Leben selbst, soweit wir es «in den Händen haben». Der Säugling beginnt nach dem Leben zu greifen und begreift, dass er ein Mensch ist und sein eigenes Leben in die Hand nehmen will und muss. 

Mit unseren Händen also gestalten wir unser eigenes Leben und unsere Welt mit. Aber wir wissen auch, dass nicht alles «in unserer Hand» liegt. Darum ist die Hand ein wichtiges religiöses Symbol für göttliches Walten, für Gott selbst. 

Die Bibel hat dieses Symbol nicht erfunden, aber im Ersten Testament ist die Hand ein sehr beliebtes Motiv für das Wirken Gottes als Ausdruck für seine Macht, für das Richten und viel mehr noch für seine Fürsorge für sein Volk. Für Gottes Schöpferkraft, für die Bewahrung oder Bestrafung, für das schützende Begleiten und Führen steht die Hand Gottes. 

Die christliche Kunst lässt sich von diesem Bild inspirieren: Eine aus der Wolke gestreckte Hand weist auf die Macht und das Wirken Gottes hin. Diese Hand gibt dem Leben Jesu die theologische Bedeutung: Er ist uns von Gott gegeben, ja in einem gewissen Sinne ist Jesus selbst die Hand Gottes, die sich ausstreckt, um aufzurichten, die den Kranken aufgelegt wird, um zu heilen, und die somit auf die göttliche Macht hinweist. 

Diese Deutung schlägt sich im Apostolischen Glaubensbekenntnis nieder, das Jesus den Platz «zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters» zuweist und damit die christologische Deutung gibt und auf die endzeitliche Dimension hinweist. 

In der Liturgie bringen wir unsere innere Haltung oft auch mit unseren Händen zum Ausdruck. Spenden und empfangen, bitten und danken, sich öffnen und sich schliessen oder sich die Hand reichen zum Friedensgruss, alles mit unseren Händen. Die äusseren Gesten der Liturgie wollen uns helfen, nach der Hand Gottes zu greifen, sie unterstreichen, was sich innerlich vollzieht: Gott zeigt sich uns mit seiner rettenden Macht.