Das Kloster Einsiedeln saniert den Klosterplatz und finanziert das Vorhaben mit einer witzigen Idee. Wer mehr als 800 Franken bezahlt, bekommt einen mit dem eigenen Namen gravierten Stein im Klosterplatz eingelegt. Von den 21 500 Einheiten wurde bereits über die Hälfte verkauft. Werner Ruch nutzt diese Gelegenheit für die Realisierung eines hindernisfreien Klosterzugangs. Mit seiner Interessengemeinschaft sammelt er Geld für geschliffene Steine, die Geh- und Sehbehinderten den Zugang erleichtern.

Anton Ladner

Um ein Übergreifen eines Dorfbrandes auf das Kloster Einsiedeln zu vermeiden, wurde bereits im 14. Jahrhundert ein Bebauungsverbot für die Fläche vor dem Kloster erlassen. Deshalb konnte Jahrhunderte später der Klosterplatz entstehen. Gebaut wurde er innert zweier Jahre 1745 bis 1747 nach den Plänen des Mailänder Architekten Paolo Federico Bianchi. Er verhalf so dem Dorf Einsiedeln zum zweitgrössten Kirchenplatz hinter dem Vatikan. Das Ausmass des Klosterplatzes fasziniert jeden Besucher – immer wieder bei jedem Besuch. Doch der Zustand der aus etwa 40 000 Quadratmetern Fluss-Steinen bestehenden Fläche ist schlecht. Eine Sanierung war überfällig. Seit 2009 sammelt das Kloster Geld für dieses Vorhaben, das auf etwa acht Millionen Franken zu stehen kommt. Da es sich beim Kloster Einsiedeln um eine Territorialabtei handelt, stehen für solche Aufgaben keine Gelder aus der Kirchensteuer zur Verfügung. Der Bezirk Einsiedeln übernimmt nur die Kosten für die Instandstellung des dorfseitigen Teils des Platzes, dem Hauptplatz. Der Platz vor dem Kloster bleibt jedoch die Aufgabe des Klosters. Denn der Klosterplatz Einsiedeln ist teilweise im Besitz des Klosters und teilweise im Besitz des Bezirks Einsiedeln und der Genossamen. Der Platz wurde im Laufe seiner 270-jährigen Geschichte zudem immer stärker verbaut, sodass seine ursprüngliche beeindruckende Grösse und Bedeutung für den Ort heute nicht mehr erfassbar sind. Auf Initiative des Klosters und des Bezirks wurde deshalb entschieden, Kloster- und Hauptplatz zu sanieren. «Der Gesamtplatz soll die Bedeutung zurückerhalten, die zur Klosteranlage und zu Einsiedeln als meistbesuchtem Wallfahrtsort der Schweiz passen», schrieb das Kloster zum Vorhaben. Die Arbeiten haben vergangenen August begonnen und werden noch ein Jahr andauern. Die gesamte Erneuerung des Hauptplatzes und der zentralen Teile des Klosterplatzes wird über fünf Bauphasen führen. 
Die zweite Bauphase wurde im April in Angriff genommen. Sie umfasst die Treppenanlage unterhalb des Marienbrunnens. Mit der Fertigstellung des ganzen Platzes ist im Sommer 2020 zu rechnen.

Seit Herbst 2012 setzt sich Werner Ruch mit seiner «IG Hindernisfreier Klosterplatz Einsiedeln» dafür ein, «dass in Zukunft alle Menschen – mit und ohne Behinderungen – das Kloster Einsiedeln hindernisfrei besuchen können». Werner Ruch, selbst Rollstuhlfahrer, schreibt in seinem Werbeprospekt: «Von Gesetzes wegen müssen öffentliche Gebäude und Anlagen heute hindernisfrei gebaut werden. Das Klostergelände macht es jedoch nicht einfach, diese Auflage zu erfüllen. Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder Kinderwagen sind zu weiten Umwegen gezwungen, die sie jetzt nur mit grösster Kraftanstrengung bewältigen können.» Deshalb engagiert er sich schon seit zehn Jahren in der Planungskommission dafür, dass der Zugang mit geschliffenen Fluss-Steinen angelegt wird. Geschliffene Steine sind bequemer begehbar und die Gefahr, zu stolpern, ist viel geringer. Auch Menschen mit einer Sehbehinderung können sich entlang der hindernisfreien Wege besser orientieren. «Deshalb hat die IG», so Werner Ruch, «beschlossen, nicht bloss Forderungen zu stellen, sondern auch bei der Beschaffung der notwendigen finanziellen Mittel tätig zu werden.» Die IG sammelt Geld für geschliffene Fluss-Steine in Anlehnung an die Aktion des Klosters. Der Aufruf ist witzig formuliert: «Bitte hilf mit, die alten Steine aus dem Weg zu räumen.» Ein neuer geschliffener Fluss-Stein für den hindernisfreien Zugang kostet 100 Franken. Wer zehn Steine spendet, erhält auf einem geschliffenen Stein seinen Namen eingraviert. Ein Quadratmeter geschliffener Zugang ist für 5000 Franken zu haben. Kaufmöglichkeiten und weitere Informationen unter www.hindernisfreier-klosterplatz.ch.

Welttheater 2020
In einem Jahr ist Welttheater-Premiere auf dem Klosterplatz. Für die Produktion mit 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stehen 4,8 Millionen Franken zur Verfügung. 2020 wird das Welttheater zum 17. Mal aufgeführt. Geplant sind auf dem sanierten Klosterplatz 36 Aufführungen. Die erste Aufführung fand 1924 statt.