Jürg Grossen

Jürg Grossen

Nationalrat und Präsident der Grünliberalen Partei Schweiz

über den Umstand, dass die Klimakrise nicht
mit einer Impfung gelöst werden könne.

In der Rubrik „Mein achtsamer Blick“ unserer Partnerzeitschrift Doppelpunkt wirft jede Woche eine Persönlichkeit aus Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft einen Blick auf das, was für sie zählt. Der Sonntag publiziert diesen Beitrag für seine Lesserinnen und Leser online. Die Meinung der Autorinnen und Autoren muss sich dabei nicht mit derjenigen der Redaktion decken.

Alle „achtsamen Blicke“ finden Sie unter www.doppelpunkt.ch/achtsamer-blick.

Earthday 2021: Gegen die Klimaerwärmung gibt es keine Impfung

Die Corona-Pandemie traf die Welt und die Schweiz weitgehend unvorbereitet. Dank der Wissenschaft und den von ihr entwickelten Impfstoffen sind wir nach einem Jahr aber schon auf gutem Weg zur Bewältigung der Pandemie. Gegen die Klimaerwärmung aber gibt es keine Impfung. Wir haben nur noch wenig Zeit, um die Klimakatastrophe abzuwenden. Wir müssen jetzt konsequent handeln – und auch in dem Fall gilt es auf die Wissenschaft zu hören.

Die Schweiz muss international die Vorreiterrolle beim Klimaschutz übernehmen. Rasch und konsequent. Das fossile Zeitalter gehört ins Museum. Mit dem CO2-Gesetz steuern wir ein ambitioniertes CO2-Reduktionsziel an. Wir brauchen wirksame, liberale Massnahmen im Gebäudebereich, beim Strassen- und Flugverkehr sowie bei der Landwirtschaft und der Ernährung. Das CO2-Gesetz ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg und verdient am 13. Juni ein klares Ja.

Die Schweiz gehört europaweit zu den Schlusslichtern beim Ausbau von Solar- und Windenergie, obwohl sich dieser wirtschaftlich längst lohnt. Zudem verschwenden wir viel Energie ungenutzt, obwohl die beste Kilowattstunde diejenige ist, die gar nicht erst gebraucht wird. Als Cleantech-Standort verfügen wir über ideale Voraussetzungen, um den Umbau unseres Energiesystems von fossilen hin zu erneuerbaren Energien voranzutreiben und dabei eine international führende Rolle einzunehmen.

In meiner «Roadmap Grossen» beschreibe ich einen konkreten Weg, wie sich die Schweiz 2050 eigenständig mit Energie aus ausschliesslich erneuerbaren Quellen versorgen kann, und zwar das ganze Jahr hindurch.

Klima

Die Atomkraftwerke sind heruntergefahren, Solarstrom ist eine wichtige Stromquelle als Ergänzung zur Wasserkraft. Netto-Null-Emissionen bei den Treibhausgasen werden Realität.

Zur Umsetzung braucht es einen raschen Abbau von regulatorischen Hürden und Fehlanreizen zugunsten einer verstärkten einheimischen Energieerzeugung. Schweizer Energieunternehmen investieren seit Jahren vor allem im Ausland. Deshalb muss die Investitionssicherheit für alle erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen in der Schweiz verbessert werden.

Mit Energieeffizienz-Massnahmen haben wir seit 2010 den Stromverbrauch pro Kopf deutlich reduziert. Intelligente, einsatzbereite Technologien ermöglichen weitere hohe Effizienzgewinne. Die Anreize für Investitionen in Energieeffizienz sind umgehend zu verbessern.

Im existierenden Gebäudepark steckt ein enormes Energiepotenzial: Dank energetischen Renovationen, der Installation von Solaranlagen auf Dächern und Fassaden und der Nutzung von Elektroautos wird ein hoher Anteil an Selbstversorgung für die Gebäude möglich. So wird jedes Gebäude zum eigenen Kraftwerk.

Die ökologische Wende ist möglich, die Technologien für eine erneuerbar versorgte, klimaneutrale Schweiz sind vorhanden. Und wenn wir die Energiewende richtig umsetzen, bietet sie eine grosse Chance für unsere Wirtschaft und Gesellschaft.

Jürg Grossen ist Nationalrat und Präsident der Grünliberalen Partei Schweiz.