Glaubenimpuls von Christian Cebulj

«Kirche ist uncool!», sagte kürzlich ein 16-jähriger Schüler im Religionsunterricht. Und er fügte hinzu: «Ich frage mich, was das überhaupt für ein komischer Verein ist, wo alle dasitzen und im Chor irgendwelche Sachen murmeln. Ich brauche keine Kirche, ich kann selber denken.» Solche Sätze kennen alle, die in der Pfarrei, in der Schule oder in der Jugendarbeit mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Kirche hat kein besonders gutes Image bei der jungen Generation.

Das will Papst Franziskus jetzt ändern, indem er Jugendliche als Berater für die Zukunft der Kirche engagiert hat. Er ist intensiv mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Kontakt, er twittert, macht Selfies und fordert die Jugendlichen auf, ganz ohne Scheu in der katholischen Kirche «Wirbel zu machen». Man mag es mit dem südamerikanischen Temperament des Papstes begründen, jedenfalls sind es ungewohnt offene und befreiende Töne aus Rom, die nicht nur Jugendliche, sondern auch Junggebliebene ermutigen, daran zu glauben, dass für die Reformen in unserer Kirche ausgerechnet die Orientierung an der Jugend als Messlatte genommen wird.

Im Oktober 2018 hatte der Papst eine Jugendsynode nach Rom einberufen und mit 300 Jugendlichen aus aller Welt diskutiert. Inzwischen ist das nachsynodale Schreiben «Christus vivit» fertig, welches die Beratungen zusammenfasst. Ehrlich gesagt hat das Schreiben manche Längen, aber auf weite Strecken liest es sich erfrischend und witzig. Wenn Sie also für den Sommer noch keine Ferienlektüre haben, empfehle ich ausnahmsweise ein Papstschreiben für das Urlaubsgepäck. Hier sind einige Leseproben aus «Christus vivit»: «Jung zu sein ist weniger eine Frage des Alters als vielmehr ein Zustand des Herzens.» Eine alte Institution wie die Kirche kann sich also erneuern und in verschiedenen Phasen ihrer langen Geschichte wieder jung werden. An anderer Stelle heißt es: «Bitten wir den Herrn, er möge die Kirche von denen befreien, die sie alt machen, sie auf die Vergangenheit festnageln, bremsen und unbeweglich machen wollen.» Das sind prophetische Worte, die sich nicht scheuen, Kritik an jenen reaktionären Kräften zu üben, denen die Reformbestrebungen auf dem unter Papst Franziskus eingeschlagene synodale Weg zu weit gehen. Weiter schreibt der Papst: «Die Jugendlichen kriegen keinen Nobelpreis für Vorsicht. Manchmal reden sie mit Ohrfeigen. Aber man muss ihnen zuhören.» Anschliessend rät Franziskus dazu, sich zu verabschieden von dem Satz «Das haben wir schon immer so gemacht.» – «Diese Logik, bitte, die ist ein Gift. Ein süsses Gift, weil es dir die Seele ruhigstellt und einschläfert und dich nicht vorangehen lässt. Verlasst diese Logik und bleibt auf kreative Weise auf dem Boden der wahren christlichen Tradition.» Ich wünsche Papst Franziskus, dass er mutig mit unserer Kirche vorwärts geht und ich wünsche Ihnen für den Sommer gute Ferienlektüre!