Können Sie mit diesen beiden Namen etwas anfangen? Das klingt so nach Romeo und Julia, das berühmte Liebespaar bei William Shakespeare. Um Junias und Junia zu entdecken, müssen wir jedoch nicht in der Literatur nachsuchen, sondern die Bibel aufschlagen: Römer 16,7. Je nachdem, welche Übersetzung Sie in die Hand nehmen, finden Sie entweder Andronikus und Junias oder Andronikus und Junia. Mit diesem kleinen Unterschied im Namen beginnt die Geschichte. Sie ist sowohl interessant als auch tragisch. In älteren Übersetzungen hatte Andronikus den Glaubensgefährten Junias an der Seite. Nach einigen Jahrzehnten der Forschung hat sich die Meinung durchgesetzt, dass es sich um seine Ehefrau gehandelt haben müsse, die Junia hiess. Ein Schreibfehler oder Abschreibfehler, der sich über Jahrhunderte hartnäckig gehalten hat und die Frau unsichtbar machte. Da liegt die Tragik.

Der Apostel Paulus schreibt einen langen Brief an die Römer und fügt eine aussergewöhnlich lange Grussliste an. Da lesen wir: «Grüsst Andronikus und Junia, meine Landsleute, die meine Gefangenschaft geteilt haben. Sie sind angesehen unter den Aposteln und haben schon vor mir zu Christus gehört» (Zürcher Bibel 2007). Junia war also schon vor Paulus Christin geworden und wird nun von ihm ganz locker bei den Aposteln eingereiht.

Das muss der heutigen Kirche etwas sagen! Und ganz besonders den Frauen, die sich als Mitarbeiterinnen darin abmühen. Nicht selten tragen sie die Botschaft des Evangeliums über die kirchlichen Grenzen hinaus, indem sie ohne viel Aufhebens kirchliche Strukturen aufbrechen durch Seelsorge an jenen Menschen, die gerade durch diese Strukturen ausgeschlossen werden.

Zurzeit bereiten diese theologisch gebildeten Frauen eine Initiative vor, die Junia-Initiative. Damit knüpfen sie ein Band des Glaubens, das von uns aus zwei Jahrtausende zurückreicht in die allerersten christlichen Gemeinden, speziell zu den Frauen. Was diese damals in den Gemeinden wie selbstverständlich taten – und was der Apostel Paulus ihnen offenbar nicht verwehrt hat –, daran soll durch die Junia-Initiative erinnert werden. Wenn Sie hin und wieder einen Blick auf die kirchlichen Nachrichten werfen, dann werden Sie spätestens im Mai, rund um den Junia-Tag, wieder von der Junia-Initiative hören oder lesen.

Wenn die Kirche hier vor Ort eine Zukunft haben will, dann nur mit den Frauen – als gleichberechtigte Mitarbeiterinnen auf allen Ebenen.

Doch: Es geht nicht um den Fortbestand der Institution Kirche, wie wir sie bis anhin kannten. Es geht um das Erfahrbarmachen eines gelebten Glaubens in Gemeinschaft. Davon werden sich auch zukünftige Generationen in ihren Sehnsüchten angesprochen fühlen.