Bevor die Corona-Pandemie die Welt lahmlegte, gehörte das Reisen mit dem Flugzeug zu meiner Arbeit. Sitzungen und Konferenzen, Kongresse und Vollversammlungen innerhalb und ausserhalb Europas waren ein Teil meines Broterwerbs. Was sich spannend und abwechslungsreich anhört – und einerseits auch so ist –, bedeutet auf der anderen Seite aber auch lange Wartezeiten an Flughäfen, lange Schlangen beim Check-in und beim Boarding, ausgefallene Flüge und zusätzliche Übernachtungen. Und oftmals landete ich erst spätabends auf diversen Flughäfen.

Immer wieder fasziniert mich dabei, wenn beim Landeanflug aus dem Dunkel der Nacht heraus die leuchtenden Punkte der Landebahn erscheinen. Mitten in der Dunkelheit blinken sie auf. Unübersehbar, selbst bei schlechtem Wetter oder im Nebel, zeigen sie dem Piloten den Weg. Für mich bedeuten sie eine Beruhigung und verheissen mir, dass ich bald sicheren Boden erreichen werde und dann irgendwann nach Hause komme.

Hier in den nordischen Ländern sind die Winter sehr lang und sehr dunkel. Die Sonne geht im Norden Norwegens oder in Island drei Monate lang gar nicht auf. Und auch hier im weiter südlich liegenden Dänemark ist es tagsüber oft dämmerig, sodass das elektrische Licht den ganzen Tag brennt. Die vielen Lichter, die in der Adventszeit in den Häusern und Vorgärten, Schaufenstern und Geschäften brennen, erinnern mich an meine Flugreisen. Sie sind heimelig, sanft und lassen Sehnsucht wachsen.

Ist die Adventszeit nicht auch eine Art Landebahn?

Der Advent hat ja genau diese Botschaft: Gott ist unterwegs zu uns Menschen und will bei uns ankommen. Gott will bei mir landen. «Bereitet dem Herrn den Weg!» – könnte auch heissen: Mach die Landebahn klar! Räum den Kopf und das Herz frei und gib deiner eigenen Sehnsucht wieder Raum. Dazu bedarf es nicht unbedingt grosser Anstrengungen. Beim Anzünden der Lichter am Adventskranz könnte ich mich einmal selbst fragen: Habe ich Gott heute schon die Landeerlaubnis erteilt?

Dann ist alles roger!