In diesen Tagen nach Ostern muss ich oft an Larissa denken, ein fünfjähriges Mädchen, das während der Katechese in einem Sonntagsgottesdienst nach vorne gerufen wurde. Ihre Augen wurden verbunden – und dann riefen abwechselnd verschiedene Gemeindemitglieder ihren Namen. Sie sollte erraten, wer derjenige oder diejenige war, der oder die ihren Namen rief. Larissa dachte jedes Mal sehr angestrengt nach, das konnte ich an ihren Stirnfalten sehen, musste aber jedes Mal den Kopf schütteln. Es war einfach zu schwierig. Dann rief eine Frau: «Larissa» – und plötzlich strahlte die Kleine übers ganze Gesicht: «Mama!», rief sie, und die ganze Gemeinde lachte und klatschte.

An dieses kleine Mädchen muss ich in diesen Tagen denken, wenn ich die Ostererzählung von Maria Magdalena am leeren Grab höre. Maria Magdalena kommt zum Grab, sie sieht, dass es leer ist, sie sieht die Engel und hört, dass Jesus auferstanden ist. Aber all das reicht nicht, um ihre tiefste Sehnsuchtsfrage zu beantworten: «Wo ist ER?» Sogar als er vor ihr steht und sie Jesus mit ihren eigenen Augen sieht, reicht es noch nicht, um ihn wirklich zu erkennen. Sie meint, er sei der Gärtner. Und wieder stellt sie ihre Frage: Wo ist er, wenn du ihn weggenommen hast, dann sag mir doch, wo er ist, dann kann ich ihn holen …

Und dann hört sie ihren Namen. «Maria!» – «Rabbuni!» – endlich hat sie ihn gefunden. «Maria!» – «Rabbuni!» – genauso wie «Larissa!» – «Mama!»

Mir geht wieder neu auf, dass es nicht ausreicht, nur beim Namen gerufen zu werden, sondern wie wichtig es ist, die Stimme des Rufenden zu kennen und erkennen zu können, zu wissen, dass der, der mich ruft, jemand ist, der mich liebt. Eine Stimme kann ich nur dann erkennen, wenn ich sie oft gehört habe, wenn ich denjenigen, dem diese Stimme gehört, kennengelernt habe, wenn er mir vertraut ist.

Als Maria Magdalena die Stimme Jesu hört, der sie beim Namen nennt, hört sie nicht nur eine Reihenfolge von fünf Buchstaben, sie hört nicht nur ein Wort, sondern sie hört die Liebe. Sie hört ihre Lebensgeschichte, sie hört ihren Weg, den sie mit Jesus gegangen ist, ja, sie hört Erlösung, Befreiung.

In unserem Leben als Christen geht es darum, mit unserem Gott vertraut zu werden, seine Stimme kennenzulernen, damit wir sie dann erkennen können, wenn es darauf ankommt. So wie Larissa, und so wie Maria Magdalena.