Es war auf einer Familienfeier anlässlich der Beerdigung meines Grossvaters. Wir waren gerade vom Abdankungsgottesdienst zurückgekommen. Und es war Zeit zum Kaffeetrinken. Amelie, mein Patenkind, setzte sich beim Kaffee neben mich. Im Arm hatte sie ihren heiss geliebten Lulatsch. Lulatsch, ein Stoffhase, der mit meiner Nichte buchstäblich durch dick und dünn geht. Und Lulatsch trug schon sichtbare Zeichen dieser übergrossen Liebe meiner Nichte an sich. Das eine Ohr war bereits etwas abgelutscht. Und auch die Behaarung auf dem Rücken liess so manche offene Stelle sichtbar werden.

Amelie war mit im Abdankungsgottesdienst gewesen. In der Liturgie war naturgemäss vom Sterben und Leben, von der Erde und vom Himmel die Rede. Endlich wieder zu Hause, platzierte sie den lädierten Lulatsch auf ihrem Schoss, schaute mich mit ihren erwartungsvollen Augen an und fragte: «Onkel Tobias, kommt Lulatsch auch einmal in den Himmel?» Noch bevor irgendein Zweifel hätte Raum greifen können, versicherte ich Amelie: «Selbstverständlich, Amelie, auch der Lulatsch kommt einmal in den Himmel.»

Als theologische Erste Hilfe würden diese Antwort sicher viele durchgehen lassen. Aber so auf den zweiten Blick? Hält diese Aussage theologisch stand? Welche Bedeutung haben irdische Dinge wie ein Stoffhase im ewigen Leben?

Eine Antwort ergibt sich aus der Reich-Gottes-Theologie Jesu. Überall dort, wo wir in seinem Namen und in seiner Liebe auf die Menschen und die Welt zugehen, dort beginnt schon das Reich Gottes unter uns lebendig zu werden. Alles was wir in Liebe getan haben, bleibt und hat Bestand, so sagt die Reich-Gottes-Theologie. Alles was wir in Liebe getan haben, bleibt – in diesem und im nächsten Leben.

Das gilt für jeden einzelnen Menschen, der in einem Lebensbogen steht. Ein Mensch, der sich im Laufe seines Lebens entfaltet, mit seinen Begabungen und Talenten, mit seinem Schöpfungswillen und seiner Schöpfungskraft. Und auch wenn unser Lebensbogen einmal zur Neige geht, wenn wir vielleicht all das vergessen, was einmal war, wenn eine Demenz unseren Geist auszulöschen beginnt, dann wird unser bisheriges Leben nicht einfach ungeschehen oder belanglos. Der christliche Glaube an die Auferstehung des Leibes meint, dass der Mensch mit seiner ganzen Geschichte aufgenommen wird. Was wir in Liebe getan haben, bleibt: Das gilt auch für unsere Beziehungen in unserem Leben. Ob es flüchtige Begegnungen sind oder ob es ein lebenslanger Lebensbund ist.

Schliesslich gilt dies auch für die Schöpfung: für die Natur, Tiere, Dinge, die in uns eine grössere Lebensfreude, Vertrauen, Hoffnung und Liebe wecken können. Gott ist auf geheimnisvolle Weise in seiner Schöpfung lebendig, so würde Ignatius von Loyola, unser Ordensgründer, sagen. Können wir uns für diesen Gott des Lebens öffnen und uns von seiner Gegenwart inspirieren zu lassen?

Der Gott Jesu ist ein Gott der Liebe. Zu diesem Gott der Liebe gehören auch die Welt der Kinder und die Welt der Stoffhasen.