Macht, das ist ein Thema in der Bibel! Von Ermächtigung lese ich nichts, wohl aber von Vollmacht.
Die Leute preisen Gott, der Jesus die Vollmacht gab, ein heilendes Wunder zu wirken (Mt 9,8). Jesus selbst weiss um seine von Gott gegebene Vollmacht. Er seinerseits gibt die Vollmacht weiter an 72 ausgewählte Jünger, die er aussendet unter die Leute. «Ich habe euch Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten …» (Lk 10,19). Die zwölf Apostel setzt er ein, damit sie predigen und mit seiner Vollmacht Dämonen austreiben sollten (Mk 3,15). Immer überträgt Jesus Vollmacht im Sinne von Ermächtigung und als Teilhabe an der Macht.

Die Macht selbst verurteilt Jesus nicht, wohl aber den Missbrauch der Macht. Er spricht von den Mächtigen, «die ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein …» (Mk 10,43). Er sagt dies jenen Jüngern, die sich für erste Plätze um Jesus herum interessieren. «Wer bei euch gross sein will, der soll euer Diener sein», so lautet die Zurechtweisung Jesu. Macht ist ein Dauerthema unter uns Menschen, denn wir alle lieben und verteidigen gerne unsere kleine oder grössere Macht. Das ist in der Kirche nicht anders, obwohl seit zwei Jahrtausenden geschrieben steht: Bei euch soll es nicht so sein!

Seit einigen Jahren werden wir in unserer Kirche durchgeschüttelt und aufgerüttelt durch  Machtmissbrauch an Kindern und Jugendlichen. «Bei euch soll es nicht so sein!» Steht das alles umsonst in unseren Heiligen Schriften? Seelsorgende müssten doch alles daransetzen, Kinder und junge Menschen zu ermächtigen, damit sie lernen, ihrer ureigensten Berufung nachzuspüren, ihr Leben in die Hand zu nehmen und glücklich zu werden.

Und die Frauen in unserer Kirche? Die Zeit des Bittens ist vorbei, so hört man(n) sie sagen.

Jesus hat den Jüngern ausdrücklich Vollmacht gegeben, die Frohe Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden, und sie damit in die Dörfer und Städte ausgesandt. Unter den Jüngern waren viele Jüngerinnen. Erteilte Jesus bei einer solchen Aussendung klare Anweisungen über eine Aufgabenteilung zwischen Männern und Frauen? Davon ist nichts zu lesen. Jesus ermächtigte alle.
Um ihre Berufung zu leben, dürfen die Frauen nicht aufhören, ihre Rechte in der Kirche geltend zu machen. Leider gibt es immer noch mächtige Männer, an denen sie sich wundreiben. Aber es gibt auch Ermutigung. Gott sei Dank. Von Männern. In der Kirche.