Achtsamer Blick

Ursula Schneider Schüttel

SP-Nationalrätin und Präsidentin von Pro Natura

über sauberes Wasser

In der Rubrik „Mein achtsamer Blick“ unserer Partnerzeitschrift Doppelpunkt wirft jede Woche eine Persönlichkeit aus Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft einen Blick auf das, was für sie zählt. Der Sonntag publiziert diesen Beitrag für seine Lesserinnen und Leser online. Die Meinung der Autorinnen und Autoren muss sich dabei nicht mit derjenigen der Redaktion decken.

Alle „achtsamen Blicke“ finden Sie unter www.doppelpunkt.ch/achtsamer-blick.

Was ist uns sauberes Wasser wert?

Wie oft am Tag drehen wir den Wasserhahn auf und nehmen einen Schluck erfrischendes Wasser gleich «ab der Röhre»? Manchmal tun wir das völlig gedankenlos und sind es uns nicht immer bewusst: Wasser – Trinkwasser – es ist unser wichtigstes Lebensmittel.

Nun kommen am 13. Juni 2021 mit der Trinkwasser- und der Pestizidinitiative zwei Initiativen zur Abstimmung, die ein grosses Fragezeichen hinter die Qualität unseres Trinkwassers setzen, indem sie auf die zunehmend überschrittenen Grenzwerte für Pestizide hinweisen. Denn was trügerisch als «Pflanzenschutzmittel» bezeichnet wird, sind Umweltgifte, wie Insektenvertilgungsmittel, Herbizide und Fungizide.

Sie werden von der industriellen Landwirtschaft, aber auch im Gartenbau, im Gewerbe und von Privaten verwendet. Von den rund 2000 Tonnen Pestizide, welche jährlich ausgebracht werden, sind rund 200 Tonnen vom Bund als besonders risikoreich eingestuft. Indem diese in unser Trinkwasser gelangen, gefährden sie unsere Gesundheit.

Der exzessive Einsatz von Pestiziden ist einer der wichtigsten Gründe für den dramatischen Rückgang der Biodiversität in der Schweiz. So setzen die Gifte etwa den Kleinstlebewesen im Wasser zu: Der Bachflohkrebs (von Pro Natura zum Tier des Jahres gewählt), der auf sauberes Wasser angewiesen ist, ist ein Beispiel. Aber auch Vögel, Amphibien, Käfer leiden unter dem starken Gifteinsatz.

Die beiden unabhängig voneinander von der Zivilgesellschaft lancierten Initiativen wollen dies ändern. Sie nehmen damit ein grosses Anliegen aus der Bevölkerung auf, die weniger Pestizide im Trinkwasser, aber auch in der Umwelt will.

Achtsamer Blick

Laut der Trinkwasserinitiative sollen bloss noch Bäuerinnen und Bauern, die keine Pestizide einsetzen, Direktzahlungen erhalten. Ebenfalls ausgeschlossen von Subventionen sind Landwirte, die in der Tierhaltung importiertes Kraftfutter verwenden oder prophylaktisch Antibiotika an Nutztiere verabreichen. Mit diesen Massnahmen möchte man innerhalb einer Übergangsfrist von acht Jahren den jährlichen Bestand der rund 72 Millionen Nutztiere in der Schweiz senken — und damit auch die Überdüngung von Böden und Gewässern, die unter anderem stark mit Nitraten belastet sind.

Die Pestizidinitiative möchte den Einsatz von synthetischen Pestiziden in der Schweiz verbieten — nicht nur für Landwirte, sondern auch für das Gewerbe und Private. Die Initiative verlangt zudem, dass innert einer Übergangsfrist von zehn Jahren auch importierte Gemüse und Früchte nicht mehr mit Pestiziden belastet sein dürfen, und schafft so gleich lange Spiesse für in- und ausländische Produzenten.

Indem beide Initiativen eine lange Übergangsfrist von acht beziehungsweise zehn Jahren vorsehen, ermöglichen sie den Bäuerinnen und Bauern, ihre Betriebe auf eine nachhaltigere Landwirtschaft umzustellen.

Wir brauchen ein Umdenken: in der Landwirtschaft, aber auch bei Konsumentinnen und Konsumenten. Beide Initiativen ermöglichen dies. Deshalb unterstütze ich sie mit zweimal Ja am 13. Juni.

Ursula Schneider Schüttel ist SP-Nationalrätin und Präsidentin von Pro Natura