Unter Strom stehen, gehetzt sein, eingespannt sein im Schraubstock von Zeit und Geld – immer muss etwas los sein. Da tut es gut, wenn es Menschen gibt, die uns in Erinnerung rufen: «Hey, nur nid so ghetzt oder gschprängt.» Es ist für uns gut, wenn wir lernen, Schritt für Schritt zu tun und etwas zu entschleunigen. Gerad die Ferienzeit ist dafür da.

Ob uns dies in unseren Ferien gelingt, liegt in der Hand jeder und jedes Einzelnen. Können wir die Seele baumeln lassen oder müssen wir auch in den Ferien ein ziemlich festgelegtes und manchmal vollgestopftes Programm haben?

Bei uns im Kloster ist in der Decke des Barocksaals eine kleine Erinnerung versteckt, die uns heute nach 250 Jahren noch immer daran erinnert: «Nur nid so ghetzt.» Der damalige Abt Emmanuel Crivelli wollte, dass das Kloster nach dem dritten Brand so bald wie möglich neu und vor allem fertig erstrahlt. Der Künstler, der die Stuckaturen im Barocksaal machte, verstand sein Handwerk. Aber er arbeitete eben nach dem Motto «Nur nid ghetzt». Das führte immer wieder zu Streit mit dem Abt. Dies hat der Stuckateur für uns verewigt, indem er einen Reiher aus Stuck an der Decke anbrachte. Und auf der Brust dieses Reihers ist das Gesicht des Abtes dargestellt. Von Porträtbildern des Abtes weiss man, dass er eine sehr grosse Nase hatte. Der Reiher stellt den Stuckateur dar, der dem Abt durch sein langsames Arbeiten in die Nase zwickt und ihn ärgert. Eine humoristische Erinnerung für die Aussage: «Nur nid ghetzt».

Eine fast gegenteilige Gestalt ist ein Heiliger, der Mühe hatte und sehr schnell in den Schlaf fiel. Dieser Heilige ist Koloman (+ 1012). Nach der Legende hatte er drei tierische Begleiter, die ihn immer wieder aus seinem zu starken Hang zum «nur nid ghetzt» herausreissen mussten. Er hatte einen Hahn, eine Maus und eine Fliege. Am Morgen fiel es ihm schwer, aufzustehen. Da brauchte er einen lauten Wecker. Das übernahm der Hahn, der ihn wecken musste. Doch kaum war er wach, überfiel ihn wieder der Schlaf, und die Maus musste dann an seinem Ohrläppchen oder seinen Füssen herumknabbern. Sie gönnte ihm keinen Schlaf, bis er aufgestanden war. Aber wie es halt so ist: Lesen und Beten bereitete ihm auch Mühe. Sehr schnell hielten seine Lider der Müdigkeit nicht mehr stand. Da hatte er, Gott sei Dank, die Fliege. Sie setzte sich im Gebets- oder Lesebuch genau an den Ort, an dem seine Augen zugefallen waren. Beim Erwachen konnte Koloman an der richtigen Stelle weiterlesen. Fliege sei Dank.

Beide Erzählungen laden uns ein, uns nicht hetzen zu lassen, sondern immer wieder die Ruhe, die Gelassenheit zu bewahren. Sie kann uns davor bewahren, dass wir das falsche Wort im falschen Moment loslassen. Und die Legende von Koloman ergänzt: Wir sollten uns auch von anderen herausfordern lassen, damit die Gelassenheit nicht einseitig wird. «Nur nid ghetzt»: Üben wir uns in die nötige Gelassenheit tagtäglich ein.