Die neuen Verführungen

Der globale Zigarettenmarkt wächst und wird in vier Jahren einen jährlichen Umsatz von über 1100 Milliarden Franken erreichen. Daran erzielen die Staaten um 200 Milliarden Franken Einnahmen durch Steuern. Die staatliche Tabakprävention ist deshalb ein zwiespältiges Unterfangen. Der asiatisch-pazifische Raum (ohne Australien) gilt heute als der grösste Markt für Zigaretten. Der globale Zigarettenmarkt ist heute stark konzentriert. Nummer eins ist die China National Tobacco Corporation, gefolgt von Philip Morris International. Das Unternehmen lancierte 1904 die Marke Marlboro und erzielte damit einen bis heute anhaltenden Welterfolg. In Lausanne betreibt Philip Morris das weltweite «Operations Center».

In Neuenburg befinden sich derweil das globale Forschungs- und Entwicklungszentrum und ein Produktionsstandort für über 40 Länder. Das zeigt, dass staatliche Tabakprävention schnell zu einem Hochseilakt wird, wenn die Tabakindustrie ein wichtiger Arbeitgeber ist. Doch Philip Morris scheint die Zeichen der Zeit für mehr Gesundheit erkannt zu haben. «Wir gestalten die Zukunft von Philip Morris mit rauchfreien Produkten, die eine viel bessere Wahl als das Rauchen von Zigaretten sind», schreibt das Unternehmen. Philip Morris sieht viel höhere Gewinnmargen in «revolutionären Produkten», gemeint sind die Heat-not-Burn-Zigaretten. Die Tabak- und Nikotinbranche hat mit neuen aromatisierten Produkten also aufgerüstet, die mit ihrer bunten Verpackung insbesondere Jugendliche ansprechen. Bis heute fehlt in der Schweiz aber, als letztem Land in Europa neben Kosovo, ein nationales Mindestabgabealter für Tabak- und Nikotinprodukte.

Weitere Themen im Heft

Sterben heute: Die Kunst, die gute Form zu finden *** 900 Jahre: Kloster Engelberg feiert sein Jubiläum *** Krisen meistern: Was die Psyche stark macht *** Depressive Fische: In den Aquarien fehlen den Tieren die Besucher

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Neuer Alltag wandelt Bewusst¬sein

Liebe Leserin, lieber Leser

Dass die COVID-19-Pandemie nicht nur Schlim­mes mit sich bringt, können wir mitt­ler­weile recht klar erken­nen: Wich­tige Berufe, denen nor­ma­ler­weise kaum Auf­merk­sam­keit geschenkt wird, werden end­lich als sys­tem­re­le­vant aner­kannt. Respekt unse­ren Mit­men­schen gegen­über ver­brei­tet sich. So erle­ben wir Ver­än­de­run­gen. Eine Krise zeigt uns, was und wer wel­chen Wert für uns hat. Was als selbst­ver­ständ­lich galt, müssen wir gerade hin­ter­fra­gen.

Warum aber ist es so schwie­rig, unser Gehirn umzu­pro­gram­mie­ren? Eine Gewohn­heit besteht aus einem Aus­lö­ser, der Aktion und einer Beloh­nung. Tun wir eine Sache die ersten Male, ist unser Fron­tal­kor­tex aktiv – das Zen­trum für bewuss­tes Han­deln und ratio­na­les Denken. Bei Wie­der­ho­lung des Ablaufs von Reiz, Hand­lung und Beloh­nung ver­schiebt sich die Hand­lung in tie­fere Regio­nen des Gehirns, bis hin in die Basal­gan­glien. Diese sind ein sehr alter Teil unse­res Gehirns; schon die Dino­sau­rier besa­ssen sie. Dort spie­len sich unsere unbe­wuss­ten Hand­lun­gen ab. Kein Wunder, dass eine lang erlernte Gewohn­heit nicht mal so eben abge­legt ist. Aber unmög­lich ist es nicht: ​«Acht­sam­keit, Spon­ta­nei­tät und Neu­gierde sind die Gegen­pole zur Gewohnheit», sagt Ver­hal­tens­the­ra­peut Nico­las Hoff­mann. Mehr dazu in der neuen Ausgabe.

Herzliche Grüsse

Anton Ladner
Redaktionsleiter

 

Das Wochenmagazin für Kopf…

Weiterhin für Sie da!

Auch nach der Wiedereröffnung der Kirchen ist die Plattform www.virtuellekirche.ch weiter für Sie da!
Finden Sie Anregungen für Momente der Stille und der Andacht. Am Wochenende schalten wir zudem die aufbereiteten Lesungstexte, Musik und Videos für einen „Gottesdienst am Bildschirm“ auf.

Jetzt also Brot

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Brot backen ist in. Anschliessend postet man die Bilder auf Instagram, damit die Follower sehen, was man Tolles geschaffen hat. Der Versuch einer Erklärung des Phänomens, das mal harmlos, mal infantil und manchmal kulinarisch bemerkenswert ist.

20 Stunden für halbleere Netze

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Wie ein Diktator die schönste Piste der Welt erschuf

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«In Berührungen aber sind wir uns näher. Sie gehen unter die Haut, sie gehen zu Herzen, rühren an die Seele»

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