Spätbarock, wohin das Auge blickt

Das Val di Noto auf Sizilien ist kein Tal, sondern ein ehemaliger Verwaltungsbezirk der Sarazenen und seit 2002 UNESCO-Weltkulturerbe. Es vereinigt einzigartige Barockstädte, eine davon ist Noto. Der Reichtum an Kirchen und Palazzi ist in Noto so gross, dass sich jeder Besucher fragt, wie das möglich wurde. Das Staunen erfährt eine Steigerung, wenn man erfährt, dass die Kleinstadt trotz schwieriger Topografie nach dem Erdbeben von 1693 noch schöner in acht Kilometer Entfernung wiederaufgebaut wurde – offensichtlich von Superlativen getrieben. Für die Rekonstruktion holte der Duca di Camastra Giuseppe Lanza berühmte Architekten, die fast alle in Rom ausgebildet wurden und einen honigfarbigen römischen Barock im südsizilischen Städtchen aufleben liessen. Im Windschatten der ständigen Machtwechsel in Europa wurde der Süden Siziliens von einer aristokratischen Oberschicht beherrscht. Die sizilianischen Adelsfamilien lebten gut von der reichen Landwirtschaft und unternahmen alles, um ihrer Macht mit reichen Schaufassaden ihrer Bauten Ausdruck zu verleihen. Dazu gehörten natürlich auch die Förderung religiöser Orden und die Unterstützung der Kirche. Gleiches gilt für die benachbarten Städtchen Modica, Scicli und Ragusa, die alle beim Erdbeben 1693 ebenfalls zerstört wurden und aufgrund des Wiederaufbaus im Spätbarock auch zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.

Scicli und Ragusa bringen Italien aber auch aus einem anderen Grund zum Träumen. Die Städtchen bilden den Hintergrund zur Fernsehserie «Montalbano», in der ein unermüdlicher Commissario Salvò Montalbano mit viel Sinn für Psychologie im Fantasieort Vigàta die zahlreichen Mordfälle löst. Die Serie beruht auf den Büchern des sizilianischen Schriftstellers Andrea Camilieri, der die Städtchen des Val di Noto international berühmt gemacht hat – nur eben unter dem Fantasienamen Vigàta.

Weitere Themen im Heft

Lesbos-Flüchtlinge: Warum die Nachfrage stark steigt.
1600 Jahre Hieronymus: Kronzeugin der alternativen Szene.
Hotel der Zukunft: Lügen für ein gutes Image.
Projekt Icarus: Tierbeobachtung aus dem All, um Viren aufzuspüren.

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Im Schatten des Anschlags vom 11. September 2001

Liebe Leserin, lieber Leser

Die Verhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban zur Beendigung des 40-jährigen Krieges haben vergangene Woche in Katar begonnen. Der Friedensprozess wird von Ausländern und der afghanischen politischen Elite vorangetrieben. Der innerafghanische Friedensdialog ist somit erst ein halbes Jahr nach der Unterzeichnung einer Friedensvereinbarung zwischen den USA und den Taliban möglich geworden. Der Deal war, dass die USA ihre Truppen von derzeit 8600 Mitgliedern «rasch» auf 4000 reduzieren. Dazu gehörte auch ein Gefangenenaustausch, der zur Befreiung von 5000 Taliban führte. Es verhandeln jetzt die Taliban und der Vorsitzende des Hohen Rates für Nationale Versöhnung, Abdullah Abdullah, mit ihren Delegationen. Zuerst gilt es, zu einer Einigung über die Beendigung der wieder zugenommenen Gewalt zu finden.

Die Vereinigten Nationen berichten davon, dass entgegen der Vereinbarung von Doha die Taliban weiterhin al-Kaida unter ihrem Schutz in Afghanistan operieren lassen würden. Zur Erinnerung: Von Afghanistan aus hatte Osama bin Laden als al-Kaida-Anführer den Anschlag auf die zwei Towers des World Trade Center in New York am 11. September 2001 gesteuert. Aus diesem Grund kam es zum Krieg der USA gegen Afghanistan. US-Präsident George W. Bush wollte das Taliban-Regime beseitigen und Osama bin Laden zur Verantwortung ziehen. 19 Jahre später sitzen die Taliban, nach wie vor vom gleichen Geist geprägt, am Verhandlungstisch – in Anwesenheit von Vertretern der US-Regierung. Für die afghanische Bevölkerung ist auch frustrierend, dass sie sich an diesem innerafghanischen Friedensdialog gar nicht vertreten fühlt.

Herzliche Grüsse

Anton Ladner
Redaktionsleiter

Das Wochenmagazin für Kopf…

Fürchtet sich die Kirche vor der Geschichte?

Fürchtet sich die Kirche vor der Geschichte?

Der Historiker David I. Kertzer von der Brown University hat seine ersten Erkenntnisse aus den versiegelten Vatikan-Dokumenten zur Haltung des Papstes während des Holocausts veröffentlicht.

Versöhnt leben – wie geht das überhaupt?

Versöhnt leben – wie geht das überhaupt?

Die Wirkung der Versöhnung wird in der Gesellschaft unterschätzt. Das will die Konferenz «versöhnt leben» ändern. Im Februar hat sie zum ersten Mal in Bern stattgefunden, um die Chancen und Grenzen von Versöhnungsprozessen zu vertiefen. Die Resonanz war so gut, dass «versöhnt leben» zur Institution werden soll.

Die schwimmenden Karibikschweine

Die schwimmenden Karibikschweine

Auf einer einsamen Insel der Bahamas leben wilde Hausschweine, die sich über Besucher freuen. Sie schwimmen ihnen jeweils entgegen, weil sie sich von ihnen Futter erhoffen. Der Pig Beach ist deshalb ein beliebter Ausflugort geworden, was nun die Tiere gefährdet.

Helfen statt bestrafen

Helfen statt bestrafen

Vor rund 19 Jahren steckte Portugal mit 100 000 Heroinsüchtigen in einer ausweglos scheinenden Situation. Die Regierung sah in einer Entkriminalisierung des Drogenkonsums die Lösung. Heute steht Portugal mit dieser Politik als Vorbild da, denn die portugiesische Jugend konsumiert im Vergleich zur europäischen bedeutend weniger Drogen.

Nur nicht hier, nur nicht jetzt!

Nur nicht hier, nur nicht jetzt!

Wohl stärker als je zuvor sind derzeit die Tage von einem digitalen Rhythmus bestimmt. Homeoffice, Online-News, E-Mails, Microsoft Teams, WhatsApp und Skype. Droht da ein digitaler Burnout – aus Langeweile?

Da und doch weit weg

Da und doch weit weg

Wie hat sich Maria nach der Hinrichtung ihres Sohnes und seiner Auferstehung gefühlt? Jesus war in einer Art Strahlkörper zurückgekehrt, aber dennoch nicht mehr anwesend. Die Wallfahrtskirche der Madonna della Corona vermittelt mit ihrer besonderen Lage Fantasien, wie sich Maria gefühlt haben könnte. Zwischen Erde und Himmel, gefestigt, aber doch verlassen. Manchmal eröffnen solche Bilder einen neuen Zugang zum Glauben und zum eigenen Dasein.

»Geflügelte Botschafter – Schmetterlingszucht in Costa Rica«

»Geflügelte Botschafter – Schmetterlingszucht in Costa Rica«

Costa Rica ist ein kleines Land – und trotzdem einer der grössten Hotspots für Biodiversität weltweit. Hunderte endemische Arten gibt es dort, bekannt ist es auch für seine Vielfalt an Schmetterlingen. Als Botschafter der Biodiversität ihres Landes werden einige Arten in alle Welt exportiert – um in Botanischen Gärten oder Schmetterlingsausstellungen die Menschen durch ihre Farbenpracht und Wandelbarkeit zu faszinieren. Hunderte von Familien im ländlichen Costa Rica leben von der Zucht der Insekten für den Export. Schmetterlinge verleihen einigen von ihnen Flügel.

Barfuss unter spitzen Kapuzen

Barfuss unter spitzen Kapuzen

In Spanien findet die Karwoche – la Semana Santa – jeweils unter grosser Beteiligung der Bevölkerung auf der Strasse statt. Oft schon vor der eigentlichen Karwoche. In diesem Jahr muss aufgrund der Corona-Krise darauf verzichtet werden – aber nicht bildmässig.

20 Stunden für halbleere Netze

20 Stunden für halbleere Netze

Der professionelle Fischfang ist in Italien zu einer grossen Herausforderung geworden. Die Fischbestände sind massiv zurückgegangen. Das bedeutet für unabhängigen Fischer längere Arbeitszeiten bei weniger Ertrag. Eine Reportage aus Livorno.

Wie ein Diktator die schönste Piste der Welt erschuf

Wie ein Diktator die schönste Piste der Welt erschuf

Eigentlich ging es eher darum, die entlegensten Orte im Süden Chiles miteinander zu verbinden. Doch mit dem Bau der Carretera Austral legte der chilenische Diktator Augusto Pinochet den Grundstein für eine der schönsten Strassen der Welt.

… und Herz

Weiterhin
für Sie da!

Auch nach der Wiedereröffnung der Kirchen ist die Plattform www.virtuellekirche.ch weiter für Sie da!
Finden Sie Anregungen für Momente der Stille und der Andacht. Am Wochenende schalten wir zudem die aufbereiteten Lesungstexte, Musik und Videos für einen „Gottesdienst am Bildschirm“ auf.

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