Im September beginnt an der Universität Luzern das neue Studienjahr. Aufregend ist der Start vor allem für die Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger ins Studium. Von Zeit zu Zeit ist es schön, miterleben zu dürfen, mit wie viel Neugier und Elan sie ihren Start gestalten. Da gibt es sie dann noch, die vollgepackten Stundenpläne, die endlosen Literaturlisten und viel mehr Fragen als Antworten! Mit der Zeit regulieren sich dann meist Neugier und Elan – wie immer, wenn der graue Alltag kommt und mit ihm die Mühen der Ebene. Aber das macht nichts. Entscheidend ist dieser besondere Moment. Die Erinnerung daran wird kaum verblassen und selbst noch in ferner Zukunft manch nostalgischen Rückblick eröffnen. Wer in Luzern im ersten Semester Theologie studiert, kommt übrigens keineswegs im Regelfall direkt von der Schule. Viele haben zuvor andere Berufsausbildungen absolviert und nicht selten auch schon berufliche Erfahrungen gesammelt. Mitunter sind es sogar geistig frisch gebliebene Seniorinnen und Senioren, die noch einmal die wenig bequeme Hörsaalbank drücken wollen und sich auf das Abenteuer eines Theologiestudiums an der Uni einlassen. Fast ist es so, als gäbe es heute gar nicht mehr die typische Studierendenbiografie, in der sich mehr oder weniger alle wiederfinden. Das Bild ist viel bunter geworden! Doch was alle miteinander verbindet, ist dieser Augenblick des Neubeginns: die Wochen des Anfangs mit ihren Einschnitten und Zäsuren, mit ihren Unwägbarkeiten und Überraschungen.

Der Gott der Bibel ist ein Gott der Neuanfänge, kein Freund des Festgefahrenen und Unabänderlichen. Ja, der Gott und Vater Jesu scheint geradezu ein leidenschaftliches Faible zu hegen für Menschen, die sich auf den Weg machen, Vertrautes und Gewohntes hinter sich lassen und etwas Neues in ihrem Leben wagen. Die Beispiele wären Legion: Fischer werden aus ihren alten Berufen gerissen, Hirten – wie es wörtlich heisst – von «hinter der Herde weg». Zöllner werden zu Jüngern, eine Heidin zur Diakonin und eine Tuchhändlerin zur Gemeindeleiterin. Und, und, und! Gott ist ein Freund der Anfänge und des Neubeginns! Wir Menschen dürfen es darum auch sein.

Das Wort «anfangen» kommt von «anpacken», etwas selbst in die Hand nehmen. Neu anzufangen, bedeutet, dem Leben zu trauen, seine Herausforderungen je neu anzunehmen – und gerade so eine Ahnung zu gewinnen von dem, was Hermann Hesse in seine so berühmten Worte fasste: «Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.»