Augustinus Aurelius (354-430) hat geschrieben:

«Spät habe ich dich geliebt, du Schönheit, ewig alt und ewig neu, spät habe ich dich geliebt!
Und sieh, bei mir drin warst du, und ich lief hinaus und suchte draussen dich,
und hässlich ungestalt warf ich mich auf das Schöngestaltete, das du geschaffen.
Du warst bei mir, und ich war nicht bei dir.
Und was von dir solang mich fernhielt, waren Dinge, die doch, wenn sie in dir nicht wären, gar nicht wären. Du aber riefst und schriest und brachst mir meine Taubheit.
Du blitztest, strahltest und verjagtest meine Blindheit. Du duftetest, und ich trank deinen Duft und atme nun in dir. Gekostet hab ich dich, nun hungre ich nach dir und dürste. Und du berührtest mich, ich aber glühte in Sehnsucht auf, in Sehnsucht nach deinem Frieden»
(Confessiones X, 27,38).

Wohl kaum einer der «Väter» (Theologen zwischen Spätantike und Frühmittelalter) haben die Kirche und die Theologie des Westens so geprägt wie der Afrikaner Augustinus. Kein Wunder, zählt er zu den vier westlichen Kirchenvätern (mit Ambrosius von Mailand, der ihn getauft hatte) und ist oft in Kirchen, z.B. an der Kanzel, mit einem brennenden Herzen in der Hand dargestellt.

Dieser hochintelligente Mensch durchlief die besten Schulen und übertraf in Kürze die eigenen Lehrer, was das Wissen seiner Zeit betraf. Aber er war ein ständiger Sucher: Nichts, keine Lehre, keine Philosophie und keine Religion konnte ihn befriedigen – er suchte weiter. Lange Zeit zählte er zu den Manichäern, die überzeugt waren, dass man nur durch höheres Wissen erlöst werden könne.

Seine Laufbahn führte ihn von Nordafrika nach Rom und später nach Mailand. Dort erlebte er einen Zusammenbruch und ein Bekehrungserlebnis im Zusammenhang mit einer Stelle aus dem Römerbrief des Paulus (Röm 13, 13-14). Auch der Einfluss seiner Mutter, die hl. Monika, ist nicht zu unterschätzen. Er liess sich in der Osternacht 387 mit seinem Sohn Adeodatus von Bischof Ambrosius taufen. Nach seiner Rückkehr nach Nordafrika wurde er zum Priester geweiht und später zum Bischof von Hippo.

Seine Schriften gegen die Skeptiker («Ich täusche mich, also bin ich»), die Auseinandersetzung mit den verschiedenen christlichen Lehrmeinungen sind scharfsinnig und bestechend. Berühmt sind seine «Bekenntnisse» (Confessiones): eine Art Autobiografie, die eine geistliche Entwicklung beschreibt vom Bekenntnis der eigenen Schuld über das Ablegen des Glaubensbekenntnisses bis hin zu einem Lobpreis auf Gott. Sie beginnen mit dem berühmten Zitat: «Ruhelos ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr» (Confessiones I, 1).

Was sagt uns das? Wer glaubt, er sei am Ziel, irrt sich. Wer glaubt, er habe die Wahrheit, irrt sich. Wer glaubt, der Glaube besitze keine Vernunft, der irrt sich. Wer glaubt, die eigene Glaubensüberzeugung nicht infrage stellen zu müssen, irrt sich: «Ruhelos ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr»!