Glaubensimpuls von Robert Vorholt

Ein biblischer Vers, so hat es den Anschein, will gut zur bevorstehenden Ferienzeit passen. Paulus schreibt den Christinnen und Christen seiner korinthischen Gemeinde: «Ich wünschte, Ihr wäret ohne Sorgen!» (1 Kor 7,32).
Schnell kommen helle Bilder in den Sinn: Sommer, Sonne, Hängematte … Frei von Sorge: Was für eine Verheissung! Wenn – und das ist der Haken daran – sie bloss stimmen würde. Denn unsere Erfahrung spricht doch oft eine ganz andere Sprache! Sollen wir vertröstet werden? – Die Heilige Schrift geht aufs Ganze. Sie zieht die grossen Register der Hoffnung und stellt alles Leben in das Licht einer grossartigen Verheissung: Dass das Beste immer noch kommt, dass auf die Glaubenden eine ganz andere, eine ganz neue Zukunft wartet: Gottes Zukunft nämlich. Christliche Hoffnung heisst, gross von Gott zu denken und nicht klein. Was ist Hoffnung, wenn nicht der Glaube daran, dass mein ganzes Leben in Gottes Hand geborgen liegt, dass Gott um mich weiss, dass Er immer neue Anfänge schafft, wo ich an Grenzen stosse. Je mehr wir Gott zutrauen, desto handfester wird unsere Hoffnung.

Der Gott, von dem die Bibel erzählt, vertröstet die Menschen nicht. Er verkündet auch keine Durchhalteparolen. Gott ist vielmehr ein Gott der Geschichte, einer, der da ist und unsere Menschen-Geschichten zum Besseren fügt und begleitet. Über alle Zeiten hinweg verbindet sich dieser Glaube mit der Erzählung der Befreiung Israels aus der Knechtschaft Ägyptens. Diese Befreiungsgeschichte ist – wenn man so will – die Urerzählung jüdischer und dann auch christlicher Hoffnung.

Ich möchte eine Geschichte erzählen, die das Leben schrieb. Eine schlimme Geschichte, die ich in einer Gemeinde, in der ich Seelsorger sein durfte, miterlebt habe. Ein Familienvater war damals ganz plötzlich verstorben. Einfach so, ohne Vorankündigung. Was das für seine Frau bedeutete, können wir uns vorstellen. Sie ruft ihren erwachsenen Sohn an, der in der Ferne lebt, um zu sagen, was passiert ist. Der Sohn macht sich sofort auf den Weg nach Hause. Nur kommt er nicht an – er ist unterwegs zusammengebrochen. Herzstillstand, tot. Eine zerstörte Familie. Zwei Tote an einem Tag. Was sagt man so einer Frau als Seelsorger? Man kann gar nicht viel sagen. Man kann nur da sein. Aber, und das ist viel wichtiger: Ein ganz anderer war eben auch auf seine Weise da, und dieser ganz andere hat Worte ewigen Lebens. Er kann Trost schenken, dort, wo wir nur schwarze Wände sehen. Warum ich das behaupte?
Weil diese Frau mir viele Monate nach diesem düsteren Tag einen langen Brief schrieb: Wie es ihr jetzt so geht. Wie sie ihr Leben neu ordnet. Wie sie Kraft findet zum Leben. Und ganz am Ende, da zitiert sie ein Gedicht. Sie schreibt:

«Es kann uns manchmal das Lachen vergehen,
aber verlernen dürfen wir es nie!

Es kann uns manchmal die Sorge schwer belasten,
aber erdrücken lassen dürfen wir uns nie!

Es mag uns manchmal der Tag zu einer echten Last werden,
aber mutlos werden dürfen wir nie!

Es mag uns manchmal unser ganzes Leben leer und sinnlos erscheinen,
aber geringschätzen dürfen wir es nie!

Denn: Selbst die dunkelste Nacht hat mal ein Ende.
Gott ist bei uns. Darum warten wir auf seinen Tag.»