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In der vergangenen Woche hatten wir hier in Dänemark in unserem Kloster Besuch von zwei Schülern und einer Schülerin der 9. Klasse. Sie hatten eine Projektwoche und wurden beauftragt, zu einem selbst gewählten Thema Nachforschungen anzustellen. Sie haben sich für das Thema Sinn des Lebens entschieden und waren nun unterwegs, um mit verschiedenen Menschen darüber ins Gespräch zu kommen. Eine spannende Angelegenheit. Ausser mit uns Ordensschwestern sprachen sie noch mit einer Musikerin, einem Buddhisten, einem Geschäftsmann, einem Bewohner der Freistadt Christiania und einer Bio-Bäuerin.

Was würden Sie antworten auf die Frage: Was ist der Sinn des Lebens? Gibt es einen allgemeinen Sinn oder muss jeder Mensch den Sinn individuell für sich finden? Ist Sinn etwas Vorgegebenes, das ich finden kann, oder muss ich den Sinn meines Lebens selbst er-finden? Und wie kann ich den Sinn meines Lebens überhaupt finden?

Ich muss zugeben, die Fragen waren schwierig zu beantworten und ich merkte im Laufe des Gesprächs, dass wir gemeinsam Suchende waren, gemeinsam um Worte und Formulierungen gerungen haben. Ich versuchte, mein Verständnis vom Sinn des Lebens zu beschreiben. Die Suche nach Gott als Sinn meines Lebens, einen Gott, den man entdecken und kennenlernen kann, den man aber auch nie „fertig erforschen“ kann. Gott ist immer grösser als das, was ich von ihm erkennen kann.

Paulus beschreibt den Sinn des Lebens in seiner berühmten Rede auf dem Areopag in Athen so: «Die Menschen sollten ihn (Gott) suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern.» Gott suchen und ertasten – anders kann er nicht gefunden werden. Man kann ihn nicht erfassen oder besitzen, sondern muss immer wieder neu sein eigenes Bild von ihm korrigieren lassen. Gott ist eben immer anders.

Was nach einer unbezwingbaren Aufgabe klingt, ist für mich persönlich ein spannendes Lebensabenteuer. Es macht Sinn.

Als wir mit den Jugendlichen am Abend noch zusammensassen und sie versuchten, ein Resümee zu ziehen aus allen Gesprächen, sagte einer: «Ich glaube, um den Sinn seines Lebens finden zu können, braucht man die Stille.»

Auch das macht Sinn.