Epiphanie, so bezeichnet die Kirche das Dreikönigsfest. Zu Deutsch: Erscheinung des Herrn. Gemeint ist, dass in der menschlichen Armut oder überhaupt im Menschen Gottes Grösse durchscheint. Gott ist eben gerade nicht wie die antiken Kaiser und Könige, die sich ja gerne auf Gott zurückführten, um selber «göttlich» zu sein, göttlich legitimierte Gewaltherrscher und Unterdrücker, sondern einer, der sich in die tiefste menschliche Armut hinein solidarisiert. Macht und Geld sind bewährte Katalysatoren für Realitätsverlust. «Hohe Tiere» sollten den Kontakt zu den einfachen Leuten nicht verlieren, sonst verlieren sie sich selbst.

Für den Gründer der Pallottiner-Gemeinschaft, dem heiligen Vinzenz Pallotti, hat dieses zweite Weihnachtsfest eine universale Dimension. Gott wird Mensch für alle! Er hat nichts Exklusives und keine Zulassungsbedingungen, er kennt keine Ausgrenzungen und hat keine Kontaktscheu. Gott sucht den Menschen! Der Mensch aber ist selber ein Suchender. Seine Sehnsucht nach dem «Ganzen» treibt ihn an, auch Gott zu suchen.

Und darum lässt sich Gott von allen finden. Die Weisen aus dem Morgenland versinnbildlichen einerseits die damalige Welt, und andrerseits sprengen sie alle religiösen Grenzen: Sie gehören nicht zum Volk Israel und sind schon gar keine getauften Christen, sondern – Heiden. Mit «Heiden» aber sind in der Bibel nicht etwa Ungläubige gemeint, sondern die Völker der Erde.

Der greise Simeon wird später Jesus als «das Licht, das die Völker erleuchtet» (Lk 2, 32) preisen.

Dem Licht des Sterns sind die drei Weisen gefolgt und haben im Kind in der Krippe Gott gefunden.

Vinzenz Pallottis heiliges Anliegen ist die Gottessuche: «Suchen Sie Gott – Sie werden ihn überall finden!» – Das ist möglich, weil Gott zuerst den Menschen sucht. Krippe und Kreuz sind der Rahmen seiner Suche, seiner Menschwerdung und seiner Hingabe aus Liebe.

Die Weihnachtsgeschichte erzählt, dass es zuerst die Asozialen, die Randständigen, die Geächteten, die Hirten waren, die Jesus gefunden haben. Und dann waren es die drei Weisen aus dem Morgenland – gelehrte, vornehme, reiche Heiden. Hirten und Heiden waren also die ersten Apostel der Weihnachtsbotschaft! Merkwürdig: Nicht an der Krippe, sondern unter dem Kreuz legte wieder ein Heide, ein römischer Soldat, das erste Bekenntnis ab: «Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!» (Mk 15, 39). Während es jenen dämmert, die nichts erwarten, bleiben jene, die auf den Messias warten, in dunkler Verstocktheit.

Epiphanie wird so zum Zeichen wider alle religiöse Sicherheit und Ausgrenzung. Wo begegnet mir der Mächtige und Ewige? Oder anders gefragt: Wo suche ich ihn?