Kurz vor Weihnachten habe ich mich zu ein paar stillen Tagen in ein Kloster im Süden Dänemarks zurückgezogen. Auf meinen täglichen Spaziergängen kam ich eines Tages an einem Geschäft vorbei: Antik – An- und Verkauf.

Im Schaufenster standen allerlei antiker Trödel, weihnachtliche Wichtel, eine Öllampe, ein Holzpferd, Silbergeschirr, ein antiker Kerzenständer mit elektrischen Kerzen, Porzellan, ein altes Puppenhaus – und mittendrin: ein hölzernes Kruzifix – mit Preisschild am Kreuznagel befestigt. Umgerechnet 200 Euro – ein stolzer Preis – immerhin.

Lange habe ich vor dem Schaufenster gestanden, und es hat mir innerlich wehgetan, das Kreuz hier mitten unter dem weihnachtlichen und sonstigen Trödel stehen zu sehen. Ich hatte den Drang, es hier herauszuholen und an einen angemessenen Ort zu bringen.

Als ich am Abend in der Klosterkapelle sass, kam mir das Bild wieder in den Sinn: Jesus am Kreuz – mitten im Trödel. Das Kruzifix ist hier in Dänemark ein katholisches Kreuz – und gilt damit allein schon als antik, ein Relikt aus der Vergangenheit, etwas für Sammler und ewig gestrige Nostalgiker. Es ist nicht mehr zu gebrauchen und kann nur noch verkauft werden, um wenigstens etwas einzubringen.

Mir kam der Gedanke, dass Jesus schon einmal verkauft wurde – damals − für 30 Silberlinge. Und auch damals hatte man für Jesus keinen Platz – weder in der Herberge in Bethlehem noch in der Stadt Jerusalem, auch damals wurde er «aussortiert».

Ich habe mich gefragt: Wo hat Jesus eigentlich heute einen Platz − an Weihnachten und darüber hinaus? Haben wir – hat unsere Gesellschaft – nicht Jesus auch schon «aussortiert» – und zu einer Nebensächlichkeit heruntergestuft, die zwar nett ist und an Hochzeiten, Erstkommunionen und anderen Festlichkeiten irgendwie für Stimmung sorgt, aber gegen Geschenke und Party doch nicht ankommen kann?

Diese Haltung Jesus, Gott gegenüber ist nicht neu. Schon der Apostel Johannes schreibt davon in seinem wundervollen Prolog zum Evangelium: «Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf!»

Vielleicht ist es ja doch genau richtig, dass das Kruzifix dort im Schaufenster steht. Mitten im und unter dem Trödel unserer Zeit. Weil es ein Zeichen ist, dass ER in unsere Welt gekommen ist, in unsere Zeit, in unser Leben – und vielleicht sogar deshalb wie selbstverständlich dort ist.

Und ja, vielleicht … vielleicht wird einmal jemand an dem Schaufenster vorbeikommen – und IHN erkennen und die Verheissung hören: «Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben.»