Timm Thaler ist eine Romanfigur. Ein fröhlicher und aufgeweckter Junge − bis er eines Tages sein Lachen verkauft. Und zwar an den Teufel. Denn der will, weil er selber nicht lachen kann, das herzerfrischende, fröhliche Lachen eines Jungen haben. Und bietet Timm nun zum Deal an, dass jeder seiner Wünsche fortan in Erfüllung gehen werde. Und wen wundert’s: Natürlich schlägt Timm ein – und so nimmt die Erzählung ihren Lauf: die Geschichte eines Menschen, der mit einmal nicht mehr lachen kann. Dem alles Leichte, alles Fröhliche abhandenkommt. Der aber am Ende genau daran zu zerbrechen droht, dass ihm das Lachen abgekauft wurde; dass ihm sein Lachen vergangen ist.

Dass einem das Lachen vergehen kann, das ist – meine ich − eine Erfahrung, die nicht nur der Welt der Romane entstammt; das ist vielmehr eine Erfahrung, die auch wir machen können, wenn wir nur nüchtern genug auf das schauen, was wir «unsere Gegenwart» nennen. Als zum Beispiel ein Familienvater neulich − zwei kleine Kinder, gerade erst ein Haus gebaut − die Mitteilung bekommt, dass sein Arbeitsplatz verloren geht. Oder das Brautpaar, das die Hochzeit plant; plötzlich erkrankt die junge Frau, zuerst sieht es aus wie eine stinknormale Erkältung, aber, so finden die Ärzte heraus, es ist etwas ganz anderes: Es handelt sich um eine todbringende Krankheit. Die Liste ist lang. Sie ist vor allem traurig. Und macht doch das eine nur allzu deutlich: Dieses Leben ist noch nicht perfekt. Da ist noch zu viel, was uns das Lachen im Halse stecken bleiben lässt, so wie diesem Jungen aus dem Roman, so wie Timm Thaler.

Das zu sehen ist eine wichtige Voraussetzung, um aus der Tiefe des Herzens heraus Ostern feiern zu können. Was zur christlichen Hoffnung nämlich unbedingt mit dazugehört, ist so eine handfeste Portion Realismus. Es kann uns manchmal wirklich das Lachen vergehen oder im Halse stecken bleiben. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite der Medaille, sie ist das, was wir zu Ostern wieder dankbar in Erinnerung rufen. Und was doch zugleich auch unser Leben bestimmen will: dass nämlich Gott das nicht einfach alles egal ist; dass es ihm nicht egal ist, wenn Dunkles uns bedrängt; dass es ihm alles andere als egal ist, wenn wir kein Licht mehr sehen können am Ende des Tunnels. So wenig egal, dass er – in Jesus Christus − eingegriffen hat und ein für allemal die grossen Weichen des Lebens umgestellt hat, und zwar auf Gerechtigkeit und nicht auf Niedertracht; auf Wahrheit und nicht auf Lüge; auf Frieden und nicht auf Krieg; auf Hoffnung und nicht auf Angst; ja: auf ewiges Leben und nicht auf endgültigen Tod.

Das hat viel mit einem uralten Brauch zu tun, den es früher, so ungefähr ab dem 14. Jahrhundert, zu Ostern gegeben hat: das sogenannte «Osterlachen», risus paschalis. Der Geistliche kletterte da zu Beginn der Osternacht auf die Kanzel und erzählte erst einmal einen derben Witz. Und wenn es so war, dass alle so richtig und aus tiefster Seele lachen konnten, dann wussten sie wieder, was auch wir glauben dürfen: Aha, es gibt also doch noch Grund zur Freude! Uns muss das Lachen nicht vergehen: Denn der Herr ist wahrhaft auferstanden, Alleluja!