Neulich schrieb mir eine Bekannte über den Impfstart in Basel: «Es war alles gut und straff organisiert im riesigen Basler Messegebäude. Am eindrücklichsten schien mir, wie viele alte und gebrechliche Leute sich vertrauensvoll zu ihrem Impftermin eingefunden hatten.»

Wir Menschen brauchen Vertrauen, nicht nur die alten und gebrechlichen und nicht nur beim Impfen. Vertrauen hilft uns, unsere Grenzen und Ängste zu überwinden und auf andere Menschen zuzugehen, um Hilfe und Zuwendung zu bitten. Vertrauen zu können ist eine Gabe, die wir alle in uns tragen, denn wir haben sie als Kind, schon vor der Geburt, erhalten.

So wurden wir im Mutterleib unaufhörlich mit allem versorgt, was wir brauchten. Wir erlebten eine grenzenlose Verbundenheit. Wir wurden, eingehüllt in tragendes Wasser, hin und her geschaukelt, wenn die Mutter ging, und wir hörten ihren Herzschlag, wie eine bergende Musik. Deswegen setzt ein Kind selbstverständlich voraus, dass andere ihm Gutes tun. Es rechnet getrost mit Wohlwollen, offen und ungeschützt, ohne Scheu und Scham. Es sucht immer wieder nach Armen, die es umfangen, nach Augen, die es ansehen, nach Zuspruch, Austausch und Nähe. So ist das Kind, denn es weiss, was es heisst, ganz und gar geliebt zu sein. Geliebt zu sein mit Haut und Haar, mit seinem ganzen Wesen. Bedingungslos. Am Beginn unseres Lebens steht das Vertrauen, dieses grenzenlose Vertrauen in die Liebe und das Leben. Es ist mit uns zur Welt gekommen. Wie gut, dass wir, wenn wir geboren werden, das Wichtigste mitbringen. Derart macht sich Doris Bewernitz Gedanken über das Kind.

Wir aber wissen und haben es erfahren, Vertrauen macht verletzlich. Ein Kind muss auch lernen zu unterscheiden, wann und wem es vertrauen kann und wann und wem es misstrauen muss. Weil jeder Mensch eingeschränkt ist, ist ihm nur bedingt zu vertrauen. Das ist ein schwieriger und sehr oft schmerzlicher Lernprozess, auf den sich einzulassen eine Herausforderung ist, der wir gerne ausweichen.

Und so lautet heute denn auch ein gängiges Lebensmotto: Ich erhöhe die Absicherung und verkleinere das Vertrauen. Damit kann man relativ weit kommen, aber es hat auch etwas Starres und Unbewegliches und es ist kein christlicher Grundsatz. Denn der christliche Glaube lebt von einem überschwänglichen Vertrauen. Dies hat uns Jesus Christus vorgelebt. Er, der zum Beginn seines öffentlichen Lebens die Stimme Gottes sagen hörte: «Du bist mein geliebter Sohn.» Er, der im Sterben sprach: «Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.» Jesus gibt uns Anteil an seinem Vertrauen, gerade dann, wenn uns der Zugang zu unserem kindlichen Vertrauen versperrt ist. Wir dürfen vertrauen, denn Gott ist auch uns Vater und Mutter.