Ein Glaubensimpuls von Franziska Driessen-Reding

Ich liebe die Adventszeit und schaffe mir ganz bewusst auch Momente der Ruhe. Ein guter Start in den Tag beim Rorate-Gottesdienst darf genauso wenig fehlen, wie das Grittibänzen Backen mit den unterdessen gross gewordenen Kindern.

Für den täglichen Impuls sorgt seit jeher der Adventskalender der Jungwacht- und Blauringschar, der Jubla in meiner Wohngemeinde. Junge Leiterinnen und Leiter berichten darin über ihre Arbeit mit den Kindern in der Pfarrei, über Spezielles, das ihnen in diesem Jahr widerfahren ist.

Jeden Morgen lese ich eine weitere Seite im Kalender – am liebsten erst nach den Tageszeitungen, denn die News sind nicht immer so aufbauend. Was die Jugendlichen jedoch erzählen, beeindruckt mich zutiefst. Nicht nur, womit sie sich beschäftigen, was sie bewegt und was sie vielleicht auch bekümmert ist eindrücklich, sondern wie sie es schaffen, ihre Gedanken aufs Papier zu bringen. Ich lese von einer jungen Frau, die schildert, wie schwierig die Lehrstellensuche war und wie stolz sie nun ist, eine passende gefunden zu haben. Ich bin überzeugt, dass ihre Zeilen auch weitere junge Menschen ermutigen, ihrem Traum nachzugehen und beständig weiterzusuchen, bis auch sie den richtigen Weg gefunden haben.Auf dem Pausenplatz werden solche persönlichen Aussagen kaum gemacht. Im Adventskalender finden sie aber Platz.

Ein weiterer Glücksmoment für mich ist die Aussage der 14-jährigen Elena: «Es freut mich, zu sehen, wie die Kinder Spass haben. Und die Aufgabe, etwas zu organisieren, gibt mir ein gutes Selbstwertgefühl.» Wenn eine so junge Frau sich freut, dass andere Kinder Spass haben, ist der Jubla ganz viel Gutes gelungen. Auch unsere frischgewählten Bundesrätinnen waren beide im Blauring aktiv. Durften auch sie vielleicht mit 14 Jahren bereits Verantwortung übernehmen, und wurden auch sie schon damals in ihrem Selbstwert gestärkt? Der 18-jährige Dominik schreibt, es mache ihn stolz, sich zusammen mit dem jungen Leitungsteam Woche für Woche für eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu engagieren und dadurch Lebensfreu(n)de zu schaffen. Freude und Freundschaften, die bleiben. Vielleicht sind es Freundschaften, die lange anhalten, vielleicht aber reicht es schon, Freundschaft erlebt zu haben, damit man fürs ganze Leben auch fähig ist, Freundschaften zu pflegen. Sollte es mir übers Jahr passieren, dass ich mich im Alltag über ungehobelte Jugendliche ärgern sollte, wünsche ich mir, die 24 Texte der Jubla wären noch präsent, denn diese sollten lang über die Adventszeit hinauswirken.

Franziska Driessen-Reding ist Präsidentin des Synodalrates der römisch-katholischen Kirche im Kanton Zürich.