Der Amazonas und seine ausgedehnten Regenwälder bilden in unserer Vorstellung kaum den Mittelpunkt der Welt. Doch gibt es da zwei Ausnahmen.

Erstens: Die Welt hielt den Atem an bei der Nachricht von Waldbränden in einem nie da gewesenen Ausmass. Gilt doch dieser Regenwald als grüne Lunge unserer Erde.

Zweitens: Papst Franziskus hat – als hätte er es kommen sehen – schon etwa zwei Jahre zuvor eine Amazonas-Synode angekündigt. Jetzt im Oktober hat sie in Rom stattgefunden. Weltweit gesehen hat sie weniger Aufsehen erregt als der in Flammen stehende Regenwald. Für mich jedoch gewinnt sie zunehmend an Bedeutung – in mehr als einer Hinsicht.

Papst Franziskus ging es zunächst um pastorale Anliegen für die weit verstreuten und abgelegenen katholischen Gemeinden ohne Priester. Sehr viele indigene Frauen oder auch verheiratete Männer sind es, die die Leitung der Gemeinden innehaben. Genau das ist während der dreiwöchigen Synode zur Sprache gekommen. Es war die Rede von den «viri probati», den bewährten Männern, die man zur Priesterweihe zulassen sollte. Bischof Erwin Kräutler, der fünf Jahrzehnte seines Lebens im Amazonas gewirkt hat, spricht vorzugsweise von «personae probatae» (bewährte Personen), weil unter diesem Begriff Frauen mit eingeschlossen sind.

Nachdem wir erleben mussten, dass einer der letzten Päpste versucht hat, die ganze Diskussion um die Weihe von Frauen im Keim zu ersticken, dürfen Mann und Frau doch wieder Hoffnung haben, dass erneut etwas in Bewegung kommt. Das macht mir Mut.

Papst Franziskus denkt und fühlt aber über die Kirche hinaus. Das geht bereits deutlich hervor aus seiner Umweltenzyklika Laudato sì. Er sorgt sich um die Menschen, unabhängig von Religion, Ethnie und Nation – und um ihr gemeinsames Haus, die Erde. Er sucht neue Wege für die Kirche und für die Erde eine ganzheitliche Ökologie. Das ganze Universum, die Erde und ihre Menschen sind eine Schöpfung Gottes. In einer Zeit, wo unsere Kirche von Skandalen erschüttert wird, scheint aus der Kraft des biblischen Wortes etwas Neues aufzubrechen.

Viele wache und verantwortungsbewusste Menschen ausserhalb unserer Kirche haben sich bereits mit Laudato sì auseinandergesetzt. Die Amazonas-Synode gibt einen weiteren Anstoss. Jetzt sind wir aufgefordert – auf allen Kontinenten – zu einem grundlegenden Umdenken in Bezug auf unseren Umgang mit Gottes Schöpfung.

Gott, sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu!