Als die heilige Katharina von Siena vor der Inquisition stand, fragte man sie, ob sie nicht wisse, dass Satan und sein Engel manchmal auch wunderähnliche Taten vollbringen würden, antwortete diese einfache Frau entwaffnend und schlicht: «Nur wenn es Gott erlaubt.»

Dieser geradlinige Glaube, dass alle Macht letztlich nur bei Gott ist, beeindruckt und gibt Orientierung.

Auch Jesus steht im Evangelium oft auf dem misstrauischen Prüfstand jener Menschen, die miterleben konnten, wie er zum Beispiel einen Stummen geheilt hat. Damals war  man davon überzeugt, dass Dämonen böse Wesen sind, die vom Menschen Besitz ergreifen. Heute geht man davon aus, dass Dämonen innere, negative seelische Kräfte sind, die Macht über den Menschen gewinnen können. Im Evangelium ist es auf alle Fälle eine negative Kraft, die den betroffenen Menschen verstummen liess. Jesus wendet sich diesem Menschen zu und er beginnt wieder zu reden, d.h., er ist erlöst von seiner Abgeschlossenheit und Vereinsamung und ist wieder eingebunden in die Gemeinschaft.

In der Apokalypse wird beschrieben, wie auch der Antichrist sich äusserlich anmasst, Gott oder wie Gott zu sein, um die Menschen in die Irre, ins Verderben zu stürzen. Wenn wir die ganze Bibel zurückblättern bis zum Anfang im Buch Genesis, so wird dort erzählt, dass die Verführung des Menschen darin bestehe, wie Gott sein zu wollen. Die Frucht des Baumes der Erkenntnis soll den Menschen Gott gleichstellen. Und die Versuchung, darum von dieser Frucht zu essen, ist gross. Auch heute erleben wir, wie Menschen sich in der Politik oder in der Wirtschaft oder sogar in der Kirche absolut setzen, wie sie entscheiden über Sein oder Nichtsein, über lebenswert oder lebensunwert. Die Versuchung, Gott zu leugnen und sich selbst an seine Stelle, also absolut zu setzen, ist gross. Wenn wir vom Bösen oder vom Teufel sprechen, dann finden wir diese Realität in dieser Versuchung, die viele Gesichter hat. Wo dieser Versuchung nachgegeben wird, entwickeln sich Kräfte, derer der Mensch selber nicht mehr Herr ist, sondern ein Gefangener ist.

Nun glauben wir aber, dass Jesus Christus die Wahrheit ist und dass die Wahrheit befreit. Und wo wir im eigenen Leben Befreiung erleben oder wo wir erfahren dürfen, dass Menschen wirklich Befreiung erleben, da ist die Wahrheit am Werk, da ist Gott gegenwärtig. Die Wahrheit kann sich nicht selbst widersprechen, die Wahrheit kann nicht gleichzeitig Unwahrheit sein. Das Böse instrumentalisiert den Menschen, die Wahrheit befreit ihn.

Darum entgegnet Jesus im Evangelium seinen Gegnern: «Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen» (Lk 11, 20).

Damit ist auch gesagt, dass Gott bisweilen das Böse zulässt – ein Geheimnis, das schwer zu verstehen ist. Aber wichtig ist, dass er allein der Herr ist, und wichtig ist, dass wir durch Jesus Christus erfahren, dass trotz aller Widerstände des Bösen das Reich Gottes kommt. «Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.»