Der Herbst hat begonnen – und mit ihm jene Jahreszeit, die geprägt ist von bunten Herbstwäldern, Kastanien und Nüssen, aber auch von Regen, Sturm und Nebel. Bei uns in den nordischen Ländern beginnt mit dem Herbst die dunkle Jahreszeit, die sich von November bis Februar erstreckt. Und anders als es in der Schweiz oder in Deutschland oder in Österreich der Fall ist, wird es zum Beispiel im nördlichen Teil Norwegens wirklich dunkel. Hier steht die Sonne fast ein halbes Jahr lang unter dem Horizont und ist nicht zu sehen. In Trondheim, in Mittelnorwegen, sieht man sie zumindest vier Stunden am Tag – wenn das Wetter schön ist. Oft frage ich mich und die Menschen, die dort oben wohnen, wie sie das eigentlich aushalten können. Monatelang – Tag und Nacht – im Dunkeln zu leben und doch dem normalen Arbeitsalltag nachzugehen, muss schwer sein. Ein Mann, der in Hammerfest, einer Stadt nördlich des Polarkreises, lebt, sagte mir einmal: «Die dunkle Zeit müssen wir einfach aushalten – aber wir wissen ja, dass es danach wieder hell wird.»

Die dunkle Zeit aushalten, durchhalten, nicht aufgeben und wissen und vertrauen, dass es wieder anders werden wird. In den Lesungen des vergangenen Sonntags wurde auch auf das Thema «Durchhalten» angespielt. Da ist Mose in der ersten Lesung, der seine Arme erhoben hat, um seinem Volk zum Sieg zu verhelfen. Solange seine Arme erhoben sind, liegt das Kriegsglück auf der Seite des Volkes Israel, lässt er sie sinken, holen die Feinde auf. Doch irgendwann werden dem Mose verständlicherweise die Arme schwer – und so schiebt man zuerst einen Steinblock unter ihn, sodass er sich setzten kann. Dann stützen Aaron und Hur seine Arme – der eine rechts, der andere links, sodass seine Hände erhoben bleiben, bis die Sonne untergeht. Sie helfen ihm beim Durchhalten.

Und dann lesen wir im Evangelium das Gleichnis von der Witwe, die bei einem ungerechten Richter um ihr Recht kämpft und nicht aufgibt, bis er ihr zu ihrem Recht verholfen hat. Jesus erzählt dieses Gleichnis seinen Jüngern und damit auch uns, «dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten». Also gilt auch für das Gebet jenes Durchhalten und Aushalten.

Mich lehren diese Texte, aber auch die Menschen im Norden, eine Lektion: In der dunklen Zeit – sei es in der Natur oder auch in meiner Seele – halte durch, halte aus, lass nicht nach. Auch wenn es in deiner Gottesbeziehung dunkel ist, wenn du Gott nicht spüren kannst, halte durch, und sei gewiss, dass es einmal auch wieder hell werden wird. Und wenn es für dich alleine zu schwer wird, dann lass dir helfen, dich stützen von Menschen in deiner Nähe.