Das ist ein Seufzer, der mir schon oft entfahren ist. Das Seufzen verändert zwar nichts, erleichtert aber ein wenig das Durchhalten. Wie viele Christen und Christinnen haben nicht schon gesungen und gebetet: «Zu dir seufzen wir, verbannte Kinder Evas, trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen.» Eine Zeile aus dem 1000-jährigen Marien-Hymnus Salve Regina.

Seufzen ist kein Jammern und Nörgeln, sondern es ist das Erkennen einer trostlosen Situation, in der man sich hilflos fühlt.

Zurzeit höre ich immer wieder den Seufzer: Ach, wenns doch nicht so mühsam wäre in unserer Kirche! Die Älteren erwähnen dann gerne, welch einen Aufbruch sie in ihren jungen Jahren erlebt hätten nach dem Konzil (1962 – 1965). Was Papst Johannes XXIII. als alter Mensch durch dieses Konzil damals angestossen hat, das ist bis heute noch gar nicht voll zur Entfaltung gelangt. Er starb, noch bevor er erste Früchte seines Wirkens sehen konnte. Die damals Jungen hingegen durften beschwingt vorangehen. Aber sie mussten – als älter werdende Menschen – Stillstand oder gar Rückschritt erleben. Und beschämende kirchliche Skandale! In der Zeit nach Corona werden wir weiteren Herausforderungen gegenüberstehen.

Ja, es ist mühsam in unserer Kirche!

Was die Kirche war und was sie uns gab, das scheint nicht mehr zu tragen. Die Menschen trennen sich von ihr, meistens ohne sich einer atheistischen Lebenshaltung zuzuwenden. Nach meinem Empfinden bleiben sie Suchende.

Nach dem Konzil erlebten wir einen Aufbruch in der Kirche, heute erleben wir Umbruch. An welcher Bruchstelle sollen wir ansetzen, damit Neues werden kann? Und wie? Ach, wenns doch nicht so mühsam wäre mit manchen Kirchenleuten, die lieber die Brüche ignorieren anstatt jenen beizustehen, die dabei sind, im Steinbruch neue Stätten des Wohnens zu schaffen.

Ich komme zurück zum Salve Regina. Gegen den Schluss des Gesanges wendet sich der Text noch einmal Maria zu und die Singenden flehen sie an: «Nach diesem Elend zeige uns Jesus.» Gemeint ist der Jesus, der nach seinem Tod in die Verklärung einging.

Wir aber brauchen Jesus hier im Elend von Kirche und Welt: Jesus, wir suchen dich!

Ich bin überzeugt, er lässt sich finden, er lässt sich hören, er wird sich zeigen. Vielleicht finden wir ihn als kindliche Ohnmacht in einem Stall. Gewiss lässt sich seine Stimme vernehmen, wenn wir mit ihm als Wanderprediger unterwegs sind, eintauchend in die Sehnsüchte und Verlorenheit der Menschen.

Jesus, das ist Machtverzicht. Ein echter Neubeginn für uns und die Kirche orientiert sich an ihm. Und nur an ihm.