Berühren und berührt werden, bitte nicht!

Das ist seit Wochen die Devise. Wir sollen Abstand halten voneinander. Nicht einmal der Atem eines Mitmenschen sollte mich streifen.

In diesen vergangenen Wochen haben wir fast alle erfahren, wie wichtig Berührungen sind. Weil sie uns fehlen!

Dieser Mangel an körperlicher Nähe hat mir biblische Begebenheiten in Erinnerung gerufen. Es war doch Jesus, der einmal mitten im Gedränge der Leute gefragt hat: Wer hat mich berührt? Seine Jünger reagierten daraufhin ein wenig konsterniert. Wie kann man in dieser Schubserei noch feststellen, von wem der kleine Schubs kam? Doch wie war noch genau der Hergang der Geschichte? Ich schaute nach und stellte fest (Mk 5,30), Jesu Frage lautete: Wer hat mein Gewand berührt? Mitten im Gedränge! Unglaublich, dieser Jesus spürt, dass hinter seinem Rücken eine menschliche Seele sich verzehrt in sehnsüchtiger Hoffnung auf eine Heilung von ihrem Leiden. Es war eine verängstigte Frau, die kaum heftig an seinem Gewand gezerrt hatte. Nur eine leise, schüchterne Berührung war es gewesen, wie sich herausstellte. Das hatte offenbar genügt, Jesus, einen hochsensiblen Menschen, innerlich anzurühren. Wörtlich heisst es: Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte.

Immer berührt Jesus: blinde Augen, taube Ohren, eine fiebrige Hand wie bei der Schwiegermutter des Petrus, einen aussätzigen Körper. Jesus kennt keine Berührungsängste.

Diese offensichtliche Tatsache ist kein Grund, es ihm in einer Zeit der Pandemie gleichzutun.

Jesus kümmert sich um Einzelschicksale.

Freundliche und liebevolle Worte, wem tun sie nicht gut? In Berührungen aber sind wir uns näher. Sie gehen unter die Haut, sie gehen zu Herzen, rühren an die Seele.

Fast hinter jeder Krankenheilung, die durch Jesus geschieht, dürfen wir auch ein seelisches Leiden vermuten. Jede Heilung durch Jesus hat etwas mit dem Glauben der Menschen zu tun. Er schafft es, über die Haut das Göttliche, das in jedem Menschen wohnt, neu zum Leben zu erwecken.

Uns heute würde Jesus durch seine Berührung vielleicht sagen: Glaube an dich, steh auf, finde dich selbst, glaube an das Göttliche in dir! Du lebst nicht vereinzelt. Du bist eingebettet in ein grösseres Ganzes, das uns alle umfängt. Finde deinen Herzensfrieden.

So heilte Jesus die Frau, die durch ihre Krankheit – sie litt seit zwölf Jahren an Blutungen – mitten im Gedränge seelisch und körperlich isoliert war. Er schickte sie neu ins Leben: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden.