Die Panda-Bärin Meng Meng hat im Berliner Zoo zwei Babys geboren. Lange blieb es ein Rätsel, ob die Bärin tatsächlich trächtig war. Denn Panda-Bärinnen sind nur während 24 bis 72 Stunden pro Jahr fruchtbar. Zudem neigen sie dazu, trächtig zu spielen. Pandas sind heute ein grosses Geschäft – auf Kosten des Tierwohls.

von Carl Meissen

186 und 136 Gramm wogen die zwei Babys der Panda-Mutter Meng Meng («Träumchen»), die Anfang September im Berliner Zoo geboren wurden. Zuvor legte Meng Meng 15 Kilo zu, was im August die Hoffnung weckte, dass sie trächtig war. Gewissheit bestand jedoch erst ab Mitte August. Bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckten die Tierärzte eine Embryonalblase. Meng Meng wurde für diese Untersuchungen extra trainiert. Auf Kommando legte sie sich in eine Gitterbox auf den Rücken, liess sich den Bauch rasieren, Gel auftragen und mit dem Ultraschall abtasten, aber nur 40 Sekunden lang, dann wurde es ihr zu blöd.

Vor fünf Jahren wurde in der chinesischen Aufzuchtstation Chengdu im Falle der Panda-Bärin Ai Hin beobachtet, wie sie eine Trächtigkeit vortäuschte. Offenbar können sich die Bärinnen merken, dass sie bei Anzeichen einer Trächtigkeit sofort eine bessere Behandlung erhalten. Im Falle von Ai Hin war das ein klimatisierter Raum, mehr Brot, Früchte und Bambus. Peinlich war damals, dass mit Ai Hin die erste TV-Übertragung einer Panda-Geburt geplant war.

So stellte sich auch in Berlin diesen August die Frage, ob Meng Meng trächtig oder nur scheinträchtig war, weil Phantomschwangerschaften bei Pandas nicht selten sind. Nun sind zwei Panda-Babys da. Im Falle einer Mehrlingsgeburt entscheidet sich eine Panda-Mutter schon bald nach der Geburt für ein Jungtier und verstösst die anderen. Denn die Energie aus Bambus reicht nur für ein Baby. Nach welchen Kriterien die Wahl für ein Baby erfolgt, ist noch unerforscht. Im Falle von Meng Meng werden die Babys aber jeweils an den Zitzen der Mutter ausgetauscht. Die beiden Jungtiere wechseln sich so mit dem Trinken ab, erhalten aber auch den Schoppen einer Panda-Expertin, was Meng Meng bisher toleriert.

In Freiheit leben heute nur noch gut 1800 Pandas, der grösste Teil von ihnen in den 67 chinesischen Reservaten, weitere 500 leben in Aufzuchtstationen. Meng Meng stammt aus einer von ihnen und ist eine Leihgabe Chinas. In Europa haben sich zehn Zoos für Leihgaben entschieden. Der Berliner Zoo bezahlt für zwei Tiere eine Million Dollar pro Jahr, der Vertrag läuft über 15 Jahre. Die Meng Meng-Babys gehören deshalb nicht dem Berliner Zoo, sie bleiben Eigentum der Chinesen. Die Pandas hat China als grosses Geschäft entdeckt, was von Tierschutzorganisationen scharf kritisiert wird. Denn die Tiere haben in den Aufzuchtstationen kein artgerechtes Leben. So werde zum Beispiel den Panda-Bären unter schmerzhaften Bedingungen Samen entnommen. Die Fortpflanzung ist bei den Pandas nämlich ein hochkomplexes Unterfangen. Ein Panda-Weibchen ist im Jahr nur während 24 bis 72 Stunden empfängnisfähig. In diesen Fruchtbarkeitstagen wird die Fortpflanzung in den Reservaten durch die Revier-Verteidigung von Altbären auch noch tangiert. Meng Meng wurde in Berlin von Jiao Qing («Schätzchen»), ebenfalls eine Leihgabe, gedeckt, aber auch unter Narkose künstlich befruchtet. Befürworter der Leihgaben und der Hightech-Fortpflanzung führen an, dass die Leihgebühren den Reservaten in China zugutekommen. Es handle sich so nur um eine Beteiligung am Panda-Schutz. Das mag stimmen, aber den europäischen Zoos geht es auch um Besucherattraktionen, die Pandas nun mal sind – vor allem Panda-Babys. Das Eisbärenbaby Knut bescherte dem Berliner Zoo neue Besucherrekorde, als 2006 zum ersten Mal seit über 30 Jahren ein Eisenbärenbaby zu sehen war. Allerdings bewegt sich der Berliner Zoo heute mit 3,5 Millionen Besuchern pro Jahr an einer Kapazitätsgrenze. Die Pandas verursachen einem Zoo neben den Leihgebühren auch erhebliche Futterkosten. So haben Meng Meng und Jiao Qing laut dem Nachrichtenmagazin Stern in einem Jahr 31 Tonnen Spezialbambus gefressen, was 220 000 Euro gekostet hat – 25 Prozent des gesamten Futterbudgets des Berliner Zoos. Das wirft einige Fragen auf.