Ein Geburtstag erinnert uns daran, dass das Leben ein Geschenk ist. Nicht wir haben das Leben gemacht, sondern wir bekommen es geschenkt.

Der Geburtstag des heiligen Johannes d.T. fällt auf den längsten Tag im Jahr. Von jetzt an gehts wieder «abwärts», die Tage werden kürzer, die Dunkelheit wird langsam, aber sicher wieder zunehmen, bis wir dann an Weihnachten wieder eine Sonnenwende feiern.

Johannes hat auf Christus hingewiesen, ja er hat sein Volk auf die Ankunft des Messias vorbereitet. Von ihm stammt das Wort: «Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden» (Joh 3, 30). Dieses Wort spiegelt sich in der Wahrnehmung des Jahreskreises wider, in dem das Licht bis zum 24. Juni zunimmt, also wächst, und bis zum 24. Dezember abnimmt, also kleiner wird. Was Johannes damit andeutet, ist klar: Nur wenn sich die Welt und die Menschen in ihrem Gehabe und in ihrer Wichtigtuerei zurücknehmen, kann die Wahrheit Gottes wahrgenommen werden, nur wenn das Getöse der Zeit stiller und achtsamer wird, kann man die frohe Botschaft hören und aufnehmen.

Zacharias, der Vater von Johannes, war sicher ein frommer Mann. Er war Priester am Tempel in Jerusalem und er empfand es als Strafe und Schande, dass er keine Nachkommen hatte. Das war insofern umso wichtiger, als sich damals das Priesteramt über den Stammbaum vererbte. Aber obwohl er ein frommer Priester war, wollte er nicht an die frohe Botschaft glauben, die ihm der Engel des Herrn überbrachte. Er zweifelte, er hatte keine Hoffnung mehr. Und diese verzweifelte Situation liess ihn stumm werden.

Zacharias hatte sich damit abgefunden, dass er keine Nachkommen mehr haben sollte. Und zwar so stark, dass nichts mehr seine Haltung, seine Meinung ändern konnte, nicht einmal die Botschaft des Engels. Er verstummte.

Heute haben wir den Eindruck, dass das Gotteslob, die Begeisterung und Freude im Gottesdienst auch mehr und mehr zum Verstummen kommen. Unsere Kirchen werden nicht nur wegen der Corona-Krise leerer und leerer und die Stimme der Kirche in unserer Gesellschaft wird stummer und stummer.

Darum ist es wichtig, nachzulesen, wie denn Zacharias die Sprache wiedergefunden hat. Es steht im Zusammenhang mit der Namensgebung des Johannes, das heisst übersetzt: «Gott ist gnädig». Und sofort löste sich seine Zunge und er konnte wieder sprechen.

Sicher hat dies eine tiefe psychologische Dimension: Wo wir glauben, alles selber machen zu müssen, wo wir glauben, dass alles mach- und lösbar sei, wo wir nur auf uns und unsere Möglichkeiten schauen, dort werden wir bald an unüberwindbare Grenzen stossen, dort kommen wir in eine Sackgasse ohne Perspektiven. Wo wir aber unserer Erfahrung mehr Raum geben, dass nicht alles von uns abhängt, sondern dass wir vertrauen dürfen, dass Gott gnädig ist, weitet sich unser Blick, brauchen wir nicht sprachlos zu werden, sondern dürfen hoffen, dass die Zukunft neue, ungeahnte Möglichkeiten bringt.